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K&R 2012, 179
Haug, Thomas 

Von Hannover II: Foto-Veröffentlichung verletzt keine Persönlichkeitsrechte Prominenter

EGMR Urteil vom 7.2.2012 40660/08, 60641/08

Vorinstanzen: BVerfG, 26. 2. 2008, 1 BvR 1626/07; BVerfG, 16. 6. 2008 - 1 BvR 1622, 1624 und 1625/07; BGH, 6. 3. 2007 - VI ZR 13/06, 14/06, 50/06, 51/06
Art. 8, 10 EMRK

1. Der Begriff des Privatlebens (Art. 8 EMRK) erstreckt sich auf Aspekte der persönlichen Identität, wie der des Namens, des Bildnisses oder der körperlichen und seelischen Unversehrtheit.

2. Der ebenfalls unter Art. 8 EMRK fallende Schutz zwischenmenschlicher Interaktion kann unter Umständen auch im öffentlichen Raum Personen des öffentlichen Lebens zukommen.

3. Die Meinungsfreiheit (Art. 10 EMRK) umfasst auch das Recht, Fotos zu veröffentlichen.

4. Vom Schutz des Art. 10 EMRK erfasst sind auch Informationen, die Anstoß erregen, schockieren oder erschüttern.

5. Bei der Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit und dem Recht auf Privatleben steht den Mitgliedstaaten ein gewisser Ermessensspielraum zu. Nehmen diese die Abwägung nach den vom EGMR vorgegebenen Kriterien vor, bedarf es überzeugender Gründe, damit der EGMR diese Entscheidungen korrigiert.

6. Was zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse beiträgt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Es kann auch hinsichtlich Sportthemen und ausübenden Künstlern bestehen, wohl aber nicht bei mutmaßlichen Eheproblemen eines Staatspräsidenten oder bei Geldsorgen eines bekannten Sängers.

7. Die Krankheit des regierenden Fürsten von Monaco konnte als Ereignis aus dem Bereich der Zeitgeschichte angesehen werden. Caroline und Ernst August von Hannover sind Personen des öffentlichen Lebens.

8. Der Öffentlichkeit unbekannte Personen bedürfen eines stärkeren Schutzes als bekannte Personen.

9. Es muss eine grundsätzliche Unterscheidung getroffen werden zwischen Tatsachenbehauptungen, die zu einer Diskussion in einer demokratischen Gesellschaft beitragen können, wie beispielsweise in Bezug auf Politiker in Ausübung ihres Amtes, und Berichten über Einzelheiten des Privatlebens einer Person, die keine solchen Funktionen ausübt. Allerdings kann sich unter speziellen Umständen das öffentliche Informationsinteresse auch auf das Privatleben von Personen des öffentlichen Lebens erstrecken.

10. Auch das der Berichterstattung vorangegangene Verhalten der betroffenen Person ist ein Abwägungskriterium.

11. Weitere Abwägungskriterien sind Inhalt, Aufmachung und Folgen der Veröffentlichung, sowie die Umstände, unter denen das Foto aufgenommen wurde.

12. Es ist mit der Konvention vereinbar, wenn der Informationswert eines Fotos im Lichte des es begleitenden Textberichtes beurteilt wird. (Leitsätze des Übersetzers)

Volltext-Hinweis:

Den Volltext der englischsprachigen Original-Entscheidung finden Sie im K&R Online-Archiv (www.kommunikationundrecht.de) unter Eingabe des direkten Links: KuRL2012-179 ins Suchfeld.

Sachverhalt

Gegenstand des Verfahrens ist die Zulässigkeit der Veröffentlichung von vier Fotos durch die Zeitschriften "Frau im Spiegel" und "Frau Aktuell" aus den Jahren 2002-2004, welche die Beschwerdeführer, das Ehepaar von Hannover, zeigten.

3. The Court's assessment3. Die Beurteilung des Gerichtshofs
(a) Scope of the application(a) Prüfungsumfang
94 The Court observes at the outset that it is not its task in the present case to examine whether Germany has satisfied its obligations under Art. 46 of the Convention regarding execution of the Von Hannover judgment it delivered in 2004, as that task is the responsibility of the Committee of Ministers (see Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) v. Switzerland (no. 2) [GC], no. 32772/02, § 61, and Öcalan v. Turkey (dec.), no. 5980/07, 6 July 2010). The present applications concern only new proceedings instituted by the applicants following the Von Hannover judgment and relating to the publication of other photos of them (Von Hannover v. Germany, judgement of 24 June 2004, no. 59320/00, ECHR 2004-VI).94 Der Gerichtshof merkt zu Beginn an, dass es im vorliegenden Fall nicht seine Aufgabe ist zu überprüfen, ob Deutschland seine Verpflichtungen aus Art. 46 der Menschenrechtskonvention hinsichtlich der Ausführung des Von Hannover-Urteils aus dem Jahre 2004 erfüllt hat, da dies Aufgabe des Ministerkomitees ist (siehe Verein gegen Tierfabriken Schweiz (VgT) gegen Schweiz (no. 2) [GC], no. 32772/02, § 61, und Öcalan gegen Türkei (dec.), no. 5980/07, 6. 7. 2010). Die hiesigen Überprüfungen betreffen nur die Verfahren, welche die Beschwerdeführer nach dem Von Hannover-Urteil bezüglich der Veröffentlichung anderer sie zeigender Fotos eingeleitet haben (Von Hannover gegen Deutschland, Urt. v. 24. 7. 2004, no. 59320/00, ECHR 2004-VI).
(b) General principles(b) Allgemeine Grundsätze
(i) Concerning private life(i) Hinsichtlich des Privatlebens
95 The Court reiterates that the concept of private life extends to aspects relating to personal identity, such as a person's name, photo, or physical and moral integrity; the guarantee afforded by Art. 8 of the Convention is primarily intended to ensure the development, without outside interference, of the personality of each individual in his relations with other human beings. There is thus a zone of interaction of a person with others, even in a public context, which may fall within the scope of private life. Publication of a photo may thus intrude upon a person's private life even where that person is a public figure (see Schüssel v. Austria (dec.), no. 42409/98, 21 February 2002; Von Hannover, cited above, §§ 50 and 53; Sciacca, Sciacca v. Italy, no. 50774/99, § 29, ECHR 2005-I; and Petrina v. Romania, no. 78060/01, § 27, 14 October 2008).95 Der Gerichtshof wiederholt, dass sich der Begriff des Privatlebens auf Aspekte der persönlichen Identität erstreckt, wie die des Namens einer Person, des Bildnisses oder der körperlichen und seelischen Unversehrtheit; die von Art. 8 der Konvention gewährte Garantie bezweckt hauptsächlich die Sicherstellung der Entwicklung der Persönlichkeit jedes Einzelnen in seinen Beziehungen zu anderen Menschen, ohne dass er dabei von außen gestört wird. Deshalb besteht ein Raum zwischenmenschlicher Interaktion, der sogar an öffentlichen Orten in den Bereich des Privatlebens fallen kann. Die Veröffentlichung eines Fotos kann deshalb auch das Privatleben einer Person des öffentlichen Lebens beeinträchtigen (siehe Schüssel gegen Österreich (dec.), no. 42409/98, 21. 2. 2002; Von Hannover, a. a. O., §§ 50 und 53; Sciacca gegen Italien, no. 50774/99, § 29, ECHR 2005-I; und Petrina gegen Rumänien, no. 78060/01, § 27, 14. 10. 2008).
K&R 2012, 180 96 Regarding photos, the Court has stated that a person's image constitutes one of the chief attributes of his or her personality, as it reveals the person's unique characteristics and distinguishes the person from his or her peers. The right to the protection of one's image is thus one of the essential components of personal development. It mainly presupposes the individual's right to control the use of that image, including the right to refuse publication thereof (see Reklos and Davourlis v. Greece, no.1234/05, § 40, 15 January 2009).96 Hinsichtlich Fotos hat der Gerichtshof festgestellt, dass das Bild einer Person eine der wichtigsten Eigenschaften ihrer Persönlichkeit darstellt, da es ihre einzigartigen Merkmale zeigt und die Person von seinen Zeitgenossen unterscheidet. Das Recht am eigenen Bild ist deshalb eine der wesentlichen Bestandteile der persönlichen Entwicklung. In erster Linie begründet dies das Recht des Einzelnen, die Verwendung seines Bildes selbst zu bestimmen, einschließlich des Rechts, eine Veröffentlichung zu untersagen (siehe Reklos und Davourlis gegen Griechenland, no.1234/05, § 40, 15. 1. 2009).
97 The Court also reiterates that, in certain circumstances, even where a person is known to the general public, he or she may rely on a "legitimate expectation" of protection of and respect for his or her private life (see Von Hannover, cited above, § 51; Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue v. Belgium, no. 64772/01, § 78, 9 November 2006; Standard Verlags GmbH v. Austria (no. 2), no. 21277/05, § 48, 4 June 2009; and Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS) v. France, no. 12268/03, § 53, 23 July 2009).97 Der Gerichtshof wiederholt außerdem, dass sogar eine einer allgemeinen Öffentlichkeit bekannte Person unter bestimmten Umständen auf eine "berechtigte Erwartung" von Schutz und Achtung ihres Privatlebens vertrauen darf (siehe Von Hannover, a. a. O., § 51; Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue gegen Belgien, no. 64772/01, § 78, 9. 11. 2006; Standard Verlags GmbH gegen Österreich (no. 2), no. 21277/05, § 48, 4. 6. 2009; und Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS) gegen Frankreich, no. 12268/03, § 53, 23. 7. 2009).
98 In cases of the type being examined here what is in issue is not an act by the State but the alleged inadequacy of the protection afforded by the domestic courts to the applicants' private life. While the essential object of Art. 8 is to protect the individual against arbitrary interference by the public authorities, it does not merely compel the State to abstain from such interference: in addition to this negative undertaking, there may be positive obligations inherent in effective respect for private or family life. These obligations may involve the adoption of measures designed to secure respect for private life even in the sphere of the relations of individuals between themselves (see X and Y v. the Netherlands, 26 March 1985, § 23, Series A no. 91, and Armonien? v. Lithuania, no. 36919/02, § 36, 25 November 2008). That also applies to the protection of a person's picture against abuse by others (see Schüssel, cited above; Von Hannover, cited above, § 57; and Reklos and Davourlis, cited above, § 35).98 In Fällen wie diesem ist nicht etwa eine staatliche Handlung Gegenstand der gerichtlichen Untersuchung, sondern der behauptete unzureichende Schutz des Privatlebens der Beschwerdeführer durch die nationalen Gerichte. Obwohl es dem Hauptzweck von Art. 8 entspricht, den Einzelnen vor willkürlicher Einmischung durch staatliche Stellen zu schützen, ist der Staat nicht nur dazu gezwungen, sich solcher Störungen zu enthalten: Zusätzlich zu dieser Unterlassungspflicht können ihn zum Zwecke des effektiven Schutzes von Privat- und Familienleben auch positive Handlungspflichten treffen. Diese Pflichten können den Erlass von Maßnahmen umfassen, welche das Privatleben auch auf dem Gebiet zwischenmenschlicher Beziehungen schützen sollen (siehe X und Y gegen die Niederlande, 26. 3. 1985, § 23, Series A no. 91, und Armonien? gegen Litauen, no. 36919/02, § 36, 25. 11. 2008). Dies betrifft auch den Schutz des Bildes einer Person vor dem Missbrauch durch andere (siehe Schüssel, a. a. O.; Von Hannover, a. a. O., § 57; und Reklos und Davourlis, a. a. O., § 35).
99 The boundary between the State's positive and negative obligations under Art. 8 does not lend itself to precise definition; the applicable principles are, nonetheless, similar. In both contexts regard must be had to the fair balance that has to be struck between the relevant competing interests (see White v. Sweden, no. 42435/02, § 20, 19 September 2006, and Gurgenidze v. Georgia, no. 71678/01, § 37, 17 October 2006).99 Die Grenze von Art. 8 zwischen der staatlichen Handlungs- und Unterlassungspflicht ist nicht präzise definiert; dennoch sind die anwendbaren Grundsätze ähnlich. Jeweils muss das Augenmerk auf einer gerechten Abwägung zwischen den jeweiligen sich widerstreitenden Interessen liegen (siehe White gegen Schweden, no. 42435/02, § 20, 19. 9. 2006, und Gurgenidze gegen Georgien, no. 71678/01, § 37, 17. 10. 2006).
(ii) Concerning freedom of expression(ii) Hinsichtlich der Meinungsfreiheit
100 The present applications require an examination of the fair balance that has to be struck between the applicants' right to respect for their private life and the right of the publishing company to freedom of expression guaranteed under Art. 10 of the Convention. The Court therefore considers it useful to reiterate the general principles relating to the application of that provision as well.100 Vorliegend muss eine Abwägung zwischen dem Recht auf Privatleben der Beschwerdeführer und dem Recht des Verlages auf Meinungsfreiheit gemäß Art. 10 der Konvention stattfinden. Deshalb erachtet es der Gerichtshof als zweckmäßig, die allgemeinen Grundsätze bezüglich dessen Anwendung zu wiederholen.
101 Freedom of expression constitutes one of the essential foundations of a democratic society and one of the basic conditions for its progress and for each individual's self-fulfilment. Subject to paragraph 2 of Art. 10, it is applicable not only to "information" or "ideas" that are favourably received or regarded as inoffensive or as a matter of indifference, but also to those that offend, shock or disturb. Such are the demands of pluralism, tolerance and broadmindedness without which there is no "democratic society". As set forth in Art. 10, freedom of expression is subject to exceptions, which must, however, be construed strictly, and the need for any restrictions must be established convincingly (see, among other authorities, Handyside v. the United Kingdom, 7 December 1976, § 49, Series A no. 24, Editions Plon v. France, no. 58148/00, § 42, ECHR 2004-IV; and Lindon, Otchakovsky-Laurens and July v. France [GC], nos. 21279/02 and 36448/02, § 45, ECHR 2007-IV).101 Die Meinungsfreiheit bildet eine der wesentlichen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft und eine der Grundbedingungen für deren Entwicklung, sowie für die Selbstverwirklichung des Einzelnen. Art. 10 Abs. 21 ist nicht nur auf "Informationen" und "Ideen" anwendbar, die wohlwollend empfangen werden oder als harmlos oder belanglos gelten, sondern auch auf solche, die Anstoß erregen, schockieren oder erschüttern. Dies erfordern Pluralismus, Toleranz und Aufgeschlossenheit, ohne die keine "demokratische Gesellschaft" bestehen kann. Art. 10 sieht für die Meinungsfreiheit Ausnahmen vor, die jedoch eng ausgelegt werden müssen und die überzeugend begründet werden müssen (siehe, neben anderen Staaten, Handyside gegen Vereinigtes Königreich, 7. 12. 1976, § 49, Series A no. 24, Editions Plon gegen Frankreich, no. 58148/00, § 42, ECHR 2004-IV; und Lindon, Otchakovsky-Laurens und July gegen Frankreich [GC], nos. 21279/02 und 36448/02, § 45, ECHR 2007-IV).
K&R 2012, 181 102 The Court has also repeatedly emphasised the essential role played by the press in a democratic society. Although the press must not overstep certain bounds, regarding in particular protection of the reputation and rights of others, its duty is nevertheless to impart - in a manner consistent with its obligations and responsibilities - information and ideas on all matters of public interest. Not only does the press have the task of imparting such information and ideas; the public also has a right to receive them. Were it otherwise, the press would be unable to play its vital role of "public watchdog" (see Bladet Tromsø and Stensaas v. Norway [GC], no. 21980/93, §§ 59 and 62, ECHR 1999-III, and Pedersen and Baadsgaard v. Denmark [GC], no. 49017/99, § 71, ECHR 2004-XI).102 Der Gerichtshof hat auch wiederholt die bedeutende Rolle der Presse in einer demokratischen Gesellschaft betont. Obwohl die Presse gewisse Grenzen nicht überschreiten darf, speziell hinsichtlich des Schutzes der persönlichen Ehre und der Rechte anderer, kommt ihr dennoch die Aufgabe zu, Informationen und Ideen zu allen Themen des öffentlichen Interesses - im Einklang mit ihren Pflichten und ihrer Verantwortung - zu verbreiten. Nicht nur die Presse hat die Aufgabe, solche Informationen und Ideen zu verbreiten; auch die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, diese zu empfangen. Ansonsten wäre die Presse nicht in der Lage, ihrer unerlässlichen Rolle als "öffentlicher Wachhund" nachzukommen (siehe Bladet Tromsø und Stensaas gegen. Norwegen [GC], no. 21980/93, §§ 59 und 62, ECHR 1999-III, und Pedersen und Baadsgaard gegen Dänemark [GC], no. 49017/99, § 71, ECHR 2004-XI).
Furthermore, is not for the Court, any more than it is for the national courts, to substitute its own views for those of the press as to what techniques of reporting should be adopted in a particular case (see Jersild v. Denmark, 23 September 1994, § 31, Series A no. 298, and Stoll v. Switzerland [GC], no. 69698/01, § 146, ECHR 2007-V).Außerdem steht es dem Gerichtshof ebenso wenig wie den nationalen Gerichten zu, bezüglich der Frage, welche journalistischen Stilmittel im konkreten Fall angewendet werden sollen, die eigene Sichtweise an die Stelle der Presse zu setzen (siehe Jersild gegen Dänemark, 23. 9. 1994, § 31, Series A no. 298, und Stoll gegen die Schweiz [GC], no. 69698/01, § 146, ECHR 2007-V).
103 The Court reiterates, lastly, that freedom of expression includes the publication of photos (see Österreichischer Rundfunk v. Austria (dec.), no. 57597/00, 25 May 2004, and Verlagsgruppe News GmbH v. Austria (no. 2), no 10520/02, §§ 29 and 40, 14 December 2006). This is nonetheless an area in which the protection of the rights and reputation of others takes on particular importance, as the photos may contain very personal or even intimate information about an individual or his or her family (see Von Hannover, cited above, § 59; Hachette Filipacchi Associés v. France, no. 71111/01, § 42, ECHR 2007-VII; and Eerikäinen and Others v. Finland, no. 3514/02, § 70, 10 February 2009).103 Zum Schluss wiederholt der Gerichtshof, dass die Meinungsfreiheit auch das Recht umfasst, Fotos zu veröffentlichen (siehe Österreichischer Rundfunk gegen Österreich (dec.), no. 57597/00, 25. 5. 2004, und Verlagsgruppe News GmbH gegen Österreich (no. 2), no 10520/02, §§ 29 und 40, 14. 12. 2006). Dennoch sind die Rechte anderer und die persönliche Ehre dabei von besonderer Bedeutung, da Fotos sehr persönliche oder sogar intime Informationen über den Einzelnen oder seine Familie enthalten können (siehe Von Hannover, a. a. O., § 59; Hachette Filipacchi Associés gegen Frankreich, no. 71111/01, § 42, ECHR 2007-VII; und Eerikäinen und andere gegen Finnland, no. 3514/02, § 70, 10. 2. 2009).
Moreover, photos appearing in the "sensationalist" press or in "romance" magazines, which generally aim to satisfy the public's curiosity regarding the details of a person's strictly private life (see Société Prisma Presse v. France (dec.), nos. 66910/01 and 71612/01, 1 July 2003, and Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, § 40), are often taken in a climate of continual harassment which may induce in the person concerned a very strong sense of intrusion into their private life or even of persecution (see Von Hannover, cited above, § 59, and Gurgenidze, cited above, § 59).Zudem werden Fotos, die in der "Sensations"-Presse oder in "Romanze"-Zeitschriften erscheinen und die im Allgemeinen die Befriedigung der Neugier der Öffentlichkeit hinsichtlich der Einzelheiten des absoluten Privatlebens einer Person bezwecken (siehe Société Prisma Presse gegen Frankreich (dec.), nos. 66910/01 und 71612/01, 1. 7. 2003, und Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., § 40), oftmals in einem Klima der dauernden Belästigung aufgenommen, das in der betroffenen Person ein sehr starkes Gefühl des Eindringens in ihr Privatleben oder gar der Verfolgung hervorrufen kann (siehe Von Hannover, a. a. O., § 59, und Gurgenidze, a. a. O., § 59).
(iii) Concerning the margin of appreciation(iii) Hinsichtlich des Ermessensspielraums
104 The Court reiterates that the choice of the means calculated to secure compliance with Art. 8 of the Convention in the sphere of the relations of individuals between themselves is in principle a matter that falls within the Contracting States' margin of appreciation, whether the obligations on the State are positive or negative. There are different ways of ensuring respect for private life and the nature of the State's obligation will depend on the particular aspect of private life that is at issue (see X and Y v. the Netherlands, cited above, § 24, and Odièvre v. France [GC], no. 42326/98, § 46, ECHR 2003-III).104 Der Gerichtshof wiederholt, dass die Wahl der Mittel, welche die Einhaltung von Art. 8 der Konvention im Verhältnis zwischen zwei Privaten gewährleisten sollen, grundsätzlich in den Ermessensspielraum der Mitgliedstaaten fällt, unabhängig davon, ob es sich um Handlungs- oder Unterlassungspflichten handelt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den Schutz des Privatlebens sicherzustellen, wobei die Natur des staatlichen Schutzauftrags von den besonderen Umständen des konkret betroffenen Privatlebens abhängt (siehe X und Y gegen die Niederlande, a. a. O., § 24, und Odièvre gegen Frankreich, [GC], no. 42326/98, § 46, ECHR 2003-III).
K&R 2012, 182 Likewise, under Art. 10 of the Convention, the Contracting States have a certain margin of appreciation in assessing whether and to what extent an interference with the freedom of expression protected by this provision is necessary (see Tammer v. Estonia, no. 41205/98, § 60, ECHR 2001-I, and Pedersen and Baadsgaard, cited above, § 68).Ebenso steht den Mitgliedstaaten bei Artikel 10 der Konvention ein gewisser Ermessensspielraum hinsichtlich der Frage zu, ob und in welchem Umfang eine Beschränkung der von dieser Bestimmung geschützten Meinungsfreiheit nötig ist (siehe Tammer gegen Estland, no. 41205/98, § 60, ECHR 2001-I, und Pedersen und Baadsgaard, a. a. O., § 68).
105 However, this margin goes hand in hand with European supervision, embracing both the legislation and the decisions applying it, even those delivered by an independent court (see, mutatis mutandis, Peck v. the United Kingdom, no. 44647/98, § 77, ECHR 2003-I, and Karhuvaara and Iltalehti, no. 53678/00, ECHR 2004-X, § 38). In exercising its supervisory function, the Court's task is not to take the place of the national courts, but rather to review, in the light of the case as a whole, whether the decisions they have taken pursuant to their power of appreciation are compatible with the provisions of the Convention relied on (see Petrenco v. Moldova, no. 20928/05, § 54, 30 March 2010; Polanco Torres and Movilla Polanco v. Spain, no. 34147/06, § 41, 21 September 2010; and Petrov v. Bulgaria (dec.), no. 27103/04, 2 November 2010).105 Jedoch unterliegt dieser Ermessensspielraum selbst dann der Europäischen Überwachung, die sowohl die Gesetzgebung als auch die Rechtsprechung erfasst, wenn diese von unabhängigen Gerichten ausgeübt wird (siehe, mutatis mutandis, Peck gegen Vereinigtes Königreich, no. 44647/98, § 77, ECHR 2003-I, und Karhuvaara und Iltalehti, no. 53678/00, ECHR 2004-X, § 38). Bei Ausübung seiner Überwachungsaufgabe ist es nicht die Aufgabe des Gerichtshofs, die Rolle der nationalen Gerichte zu übernehmen, sondern vielmehr zu überprüfen, ob die getroffenen Entscheidungen, in Anbetracht des Falles als Ganzem, innerhalb des von den Bestimmungen der Konvention eingeräumten Ermessensspielraums ergangen sind (siehe Petrenco gegen Moldawien, no. 20928/05, § 54, 30. 3. 2010; Polanco Torres und Movilla Polanco gegen Spanien, no. 34147/06, § 41, 21. 9. 2010; und Petrov gegen Bulgarien (dec.), no. 27103/04, 2. 11. 2010).
106 In cases such as the present one, which require the right to respect for private life to be balanced against the right to freedom of expression, the Court considers that the outcome of the application should not, in theory, vary according to whether it has been lodged with the Court under Art. 8 of the Convention, by the person who was the subject of the article, or under Art. 10 by the publisher. Indeed, as a matter of principle these rights deserve equal respect (see Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, § 41; Timciuc v. Romania (dec.), no. 28999/03, § 144, 12 October 2010; and Mosley v. the United Kingdom, no. 48009/08, § 111, 10 May 2011; see also point 11 of the Resolution 1165 (1998) of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe on the right to privacy). Accordingly, the margin of appreciation should in theory be the same in both cases.106 In Fällen wie dem vorliegenden, die eine Abwägung des Rechts auf Privatleben mit der Meinungsfreiheit erfordern, berücksichtigt der Gerichtshof, dass der Ausgang des Rechtsstreits nicht davon abhängen sollte, ob er von der betroffenen Person mit Verweis auf Art. 8, oder von dem betroffenen Verlagshaus mit Verweis auf Art. 10 beim Gerichtshof eingeleitet wurde. Denn grundsätzlich sind diese beiden Rechte gleichwertig (siehe Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., § 41; Timciuc gegen Rumänien (dec.), no. 28999/03, § 144, 12. 10. 2010; und Mosley gegen Vereinigtes Königreich, no. 48009/08, § 111, 10. 5. 2011; siehe auch Ziffer 11 der Resolution 1165 (1998) der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zur Privatsphäre). Dementsprechend sollte der Ermessensspielraum in beiden Fällen der gleiche sein.
107 Where the balancing exercise has been undertaken by the national authorities in conformity with the criteria laid down in the Court's case-law, the Court would require strong reasons to substitute its view for that of the domestic courts (see MGN Limited v. the United Kingdom, no. 39401/04, §§ 150 and 155, 18 January 2011, and Palomo Sánchez and Others v. Spain [GC], nos. 28955/06, 28957/06, 28959/06 and 28964/06, § 57, 12 septembre 2011).107 Wurde die Abwägung durch die nationalen Gerichte im Einklang mit den in der Rechtsprechung dargelegten Kriterien vorgenommen, bräuchte der Gerichtshof überzeugende Gründe, um die Sichtweise der nationalen Gerichte durch seine eigene zu ersetzen (siehe MGN Limited gegen Vereinigtes Königreich, no. 39401/04, §§ 150 und 155, 18. 1. 2011, und Palomo Sánchez und andere gegen Spanien [GC], nos. 28955/06, 28957/06, 28959/06 und 28964/06, § 57, 12. 9. 2011).
(iv) The criteria relevant for the balancing exercise(iv) Die Abwägungskriterien
108 Where the right to freedom of expression is being balanced against the right to respect for private life, the criteria laid down in the case-law that are relevant to the present case are set out below.108 Die Kriterien zur Abwägung zwischen der Meinungsfreiheit und dem Recht auf Privatleben sind der Rechtsprechung entnommen und werden nachfolgend ausgearbeitet.
(?) Contribution to a debate of general interest(?) Beitrag zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse
109 An initial essential criterion is the contribution made by photos or articles in the press to a debate of general interest (see Von Hannover, cited above, § 60; Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue, cited above, § 68; and Standard Verlags GmbH, cited above, § 46). The definition of what constitutes a subject of general interest will depend on the circumstances of the case. The Court nevertheless considers it useful to point out that it has recognised the existence of such an interest not only where the publication concerned political issues or crimes (see White, cited above, § 29; Egeland and Hanseid v. Norway, no. 34438/04, § 58, 16 April 2009; and Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue, cited above, § 72), but also where it concerned sporting issues or performing artists (see Nikowitz and Verlagsgruppe News GmbH v. Austria, no. 5266/03, § 25, 22 February 2007; Colaço Mestre and SIC - Sociedade Independente de Comunicação, S.A. v. Portugal, nos. 11182/03 and 11319/03, § 28, 26 April 2007; and Sapan v. Turkey, no. 44102/04, § 34, 8 June 2010). However, the rumoured marital difficulties of a president of the Republic or the financial difficulties of a famous singer were not deemed to be matters of general interest (see Standard Verlags GmbH, cited above, § 52, and Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, § 43).109 Ausgangspunkt ist der Beitrag von Fotos oder Texten in der Presse zur einer Diskussion von allgemeinem Interesse (siehe Von Hannover, a. a. O., § 60; Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue, a. a. O., § 68; und Standard Verlags GmbH, a. a. O., § 46). Die Definition von dem, was zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse beiträgt, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Dennoch erachtet der Gerichtshof es für zweckmäßig zu betonen, dass er erkannt hat, dass ein solches Interesse nicht nur bei der Veröffentlichung von politischen Themen oder Straftaten besteht (siehe White, a. a. O., § 29; Egeland und Hanseid gegen Norwegen, no. 34438/04, § 58, 16. 4. 2009; und Leempoel & S.A. ED. Ciné Revue, a. a. O., § 72), sondern auch hinsichtlich Sportthemen oder ausübenden Künstlern (siehe Nikowitz und Verlagsgruppe News GmbH gegen Österreich, no. 5266/03, § 25, 22. 2. 2007; Colaço Mestre und SIC - Sociedade Independente de Comunicação, S.A. gegen Portugal, nos. 11182/03 und 11319/03, § 28, 26. 4. 2007; und Sapan gegen Türkei, no. 44102/04, § 34, 8. 6. 2010). Jedoch wurden die vermuteten Eheprobleme eines Staatspräsidenten oder die Geldsorgen eines bekannten Sängers nicht als Themen von allgemeinem Interesse angesehen (siehe Standard Verlags GmbH, a. a. O., § 52, und Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., § 43).
K&R 2012, 183 (ß) How well known is the person concerned and what is the subject of the report?(ß) Wie bekannt ist die betroffene Person und was ist Inhalt der Berichterstattung?
110 The role or function of the person concerned and the nature of the activities that are the subject of the report and/or photo constitute another important criterion, related to the preceding one. In that connection a distinction has to be made between private individuals and persons acting in a public context, as political figures or public figures. Accordingly, whilst a private individual unknown to the public may claim particular protection of his or her right to private life, the same is not true of public figures (see Minelli v. Switzerland (dec.), no. 14991/02, 14 June 2005, and Petrenco, cited above, § 55). A fundamental distinction needs to be made between reporting facts capable of contributing to a debate in a democratic society, relating to politicians in the exercise of their official functions for example, and reporting details of the private life of an individual who does not exercise such functions (see Von Hannover, cited above, § 63, and Standard Verlags GmbH, cited above, § 47).110 Die Rolle oder Funktion der betroffenen Person und die Art der Tätigkeiten, die Gegenstand der Berichterstattung und/oder des Fotos sind, stellen neben dem vorgenannten ein weiteres wichtiges Abwägungskriterium dar. In dieser Hinsicht muss zwischen Privatpersonen und Personen, die im öffentlichen Rahmen agieren, wie Politikern oder Personen des öffentlichen Lebens, unterschieden werden. Entsprechend darf eine in der Öffentlichkeit unbekannte Privatperson einen besonderen Schutz seines oder ihres Privatlebens beanspruchen, während Gleiches nicht für Personen des öffentlichen Lebens gilt (siehe Minelli gegen Schweiz (dec.), no. 14991/02, 14. 6. 2005, und Petrenco, a. a. O., § 55). Es muss eine grundsätzliche Unterscheidung getroffen werden zwischen Tatsachenbehauptungen, die zu einer Diskussion in einer demokratischen Gesellschaft beitragen können, wie beispielsweise in Bezug auf Politiker in Ausübung ihres Amtes, und Berichten über Einzelheiten des Privatlebens einer Person, die keine solchen Funktionen ausübt (siehe Von Hannover, a. a. O., § 63, und Standard Verlags GmbH, a. a. O., § 47).
While in the former case the press exercises its role of "public watchdog" in a democracy by imparting information and ideas on matters of public interest, that role appears less important in the latter case. Similarly, although in certain special circumstances the public's right to be informed can even extend to aspects of the private life of public figures, particularly where politicians are concerned, this will not be the case - despite the person concerned being well known to the public - where the published photos and accompanying commentaries relate exclusively to details of the person's private life and have the sole aim of satisfying public curiosity in that respect (see Von Hannover, cited above, § 65 with the references cited therein, and Standard Verlags GmbH, cited above, § 53; see also point 8 of the Resolution of the Parliamentary Assembly - above). In the latter case, freedom of expression calls for a narrower interpretation (see Von Hannover, cited above, § 66; Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, § 40; and MGN Limited, cited above, § 143).Während die Presse im ersten Fall ihre Rolle als "öffentlicher Wachhund" in einer demokratischen Gesellschaft ausübt, indem sie Informationen und Ideen zu Themen von allgemeinem Interesse verbreitet, erscheint diese Funktion im letzteren Fall als weniger bedeutsam. Obwohl sich das Informationsrecht der Öffentlichkeit unter bestimmten speziellen Umständen auch auf Aspekte des Privatlebens von Personen des öffentlichen Lebens erstrecken kann, insbesondere wenn es um Politiker geht, gilt dies dann nicht - selbst wenn diese betroffene Person der Öffentlichkeit sehr bekannt ist -, wenn sich die veröffentlichten Fotos und die sie begleitende Textberichterstattung ausschließlich mit Einzelheiten des Privatlebens beschäftigen und einzig bezwecken, die öffentliche Neugier in dieserlei Hinsicht zu befriedigen (siehe Von Hannover, a. a. O., § 65 mit weiteren Verweisen, und Standard Verlags GmbH, a. a. O., § 53; siehe auch Ziffer 8 der Resolution der Parlamentarischen Versammlung, a. a. O.). Im letzteren Fall muss die Meinungsfreiheit enger ausgelegt werden (siehe Von Hannover, a. a. O., § 66; Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., § 40; und MGN Limited, a. a. O., § 143).
(?) Prior conduct of the person concerned(?) Voriges Verhalten der betroffenen Person
111 The conduct of the person concerned prior to publication of the report or the fact that the photo and the related information have already appeared in an earlier publication are also factors to be taken into consideration (see Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, §§ 52-53, and Sapan, cited above, § 34). However, the mere fact of having cooperated with the press on previous occasions cannot serve as an argument for depriving the party concerned of all protection against publication of the photo at issue (see Egeland and Hanseid, cited above, § 62).111 Als Abwägungskriterium muss ebenso das Verhalten der betroffenen Person einbezogen werden, das der Veröffentlichung vorangegangen ist, sowie der Umstand, dass das Foto und die dazugehörige Information bereits Gegenstand einer früheren Veröffentlichung waren (siehe Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., §§ 52-53, und Sapan, a. a. O., § 34). Jedoch kann der bloße Umstand, dass die betroffene Person bei früheren Gelegenheiten mit der Presse kooperiert hat, alleine nicht als Argument dazu dienen, ihr jeglichen Schutz vor Veröffentlichungen des betreffenden Fotos zu entziehen (siehe Egeland und Hanseid, a. a. O., § 62).
(?) Content, form and consequences of the publication(?) Inhalt, Aufmachung und Folgen der Veröffentlichung
112 The way in which the photo or report are published and the manner in which the person concerned is represented in the photo or report may also be factors to be taken into consideration (see Wirtschafts-Trend Zeitschriften-Verlagsgesellschaft m.b.H. v. Austria (no. 3), nos. 66298/01 and 15653/02, § 47, 13 December 2005; Reklos and Davourlis, cited above, § 42; and Jokitaipale and Others v. Finland, no. 43349/05, § 68, 6 April 2010). The extent to which the report and photo have been disseminated may also be an important factor, depending on whether the newspaper is a national or local one, and has a large or a limited circulation (see Karhuvaara and Iltalehti, cited above, § 47, and Gurgenidze, cited above, § 55).112 Die Art, in der das Foto oder der Textbericht veröffentlicht wurde und die Weise, in der die betroffene Person im Foto oder im Textbericht dargestellt wird, muss ebenfalls als Abwägungskriterium berücksichtigt werden (siehe Wirtschafts-Trend Zeitschriften-Verlagsgesellschaft m.b.H. gegen Österreich (no. 3), nos. 66298/01 und 15653/02, § 47, 13. 12. 2005; Reklos und Davourlis, a. a. O., § 42; und Jokitaipale und andere gegen Finnland, no. 43349/05, § 68, 6. 4. 2010). Das Ausmaß, zu dem der Bericht und das Foto verbreitet wurden, kann ebenfalls ein bedeutender Abwägungsfaktor sein, je nachdem, ob die Zeitung bundesweit oder regional erscheint, und ob sie eine große oder kleinere Auflage hat (siehe Karhuvaara und Iltalehti, a. a. O., § 47, und Gurgenidze, a. a. O., § 55).
K&R 2012, 184 (?) Circumstances in which the photos were taken(?) Umstände, unter denen das Foto aufgenommen wurde
113 Lastly, the Court has already held that the context and circumstances in which the published photos were taken cannot be disregarded. In that connection regard must be had to whether the person photographed gave their consent to the taking of the photos and their publication (see Gurgenidze, cited above, § 56, and Reklos and Davourlis, cited above, § 41) or whether this was done without their knowledge or by subterfuge or other illicit means (see Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), cited above, § 47, and Flinkkilä and Others v. Finland, no. 25576/04, § 81, 6 April 2010). Regard must also be had to the nature or seriousness of the intrusion and the consequences of publication of the photo for the person concerned (see Egeland and Hanseid, cited above, § 61, and Timciuc, decision cited above, § 150). For a private individual, unknown to the public, the publication of a photo may amount to a more substantial interference than a written article (see Eerikäinen and Others, cited above, § 70, and A. v. Norway, no. 28070/06, § 72, 9 April 2009).113 Letztlich können auch der Gesamtzusammenhang und die Einzelumstände, unter denen die Fotos aufgenommen wurden, nicht außer Acht gelassen werden, wie dies der Gerichtshof bereits betont hat. In dieser Hinsicht muss auch mit einbezogen werden, ob die betroffene Person ihr Einverständnis in die Bildaufnahme und deren Veröffentlichung erteilt hat (siehe Gurgenidze, a. a. O., § 56, und Reklos und Davourlis, a. a. O., § 41), oder ob dies ohne ihr Wissen, durch List oder durch andere unzulässige Mittel geschehen ist (siehe Hachette Filipacchi Associés (ICI PARIS), a. a. O., § 47, und Flinkkilä und andere gegen Finnland, no. 25576/04, § 81, 6. 4. 2010). Außerdem müssen auch die Art oder Schwere des Eindringens und die Folgen der Bildveröffentlichung für die betroffene Person bedacht werden (siehe Egeland und Hanseid, a. a. O., § 61, und Timciuc, a. a. O., § 150). Für eine der Öffentlichkeit unbekannte Privatperson kann die Veröffentlichung eines Fotos eine größere Beeinträchtigung bedeuten als eine Textberichterstattung (siehe Eerikäinen und andere, a. a. O., § 70, und A. gegen Norwegen, no. 28070/06, § 72, 9. 4. 2009).
(c) Application of the principles to the present case(c) Anwendung dieser Grundsätze auf den vorliegenden Fall
114 The Court takes note of the changes made by the Federal Court of Justice to its earlier case-law following the Von Hannover judgment. That court stated, inter alia, that in future importance had to be attached to the question whether the report in question contributed to a factual debate and whether its contents went beyond a mere desire to satisfy public curiosity. It observed in that connection that the greater the information value for the public the more the interest of a person in being protected against its publication had to yield, and vice versa. Whilst pointing out that the freedom of expression also included the entertainment press, it stated that the reader's interest in being entertained generally carried less weight than the interest in protecting the private sphere.114 Der Gerichtshof nimmt die Änderung der früheren Rechtsprechung des BGH nach dem Von Hannover-Urteil zur Kenntnis. Unter anderem stellte der BGH fest, dass zukünftig der Frage Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse, ob die betreffende Berichterstattung zu einer sachbezogenen Diskussion beitrage und ob ihr Inhalt über den reinen Wunsch nach Befriedigung der öffentlichen Neugier hinaus gehe. Der BGH merkte diesbezüglich an, dass das Schutzbedürfnis der betroffenen Person vor der Veröffentlichung umso stärker zurücktreten müsse, je größer der Informationswert für die Öffentlichkeit sei, und umgekehrt. Der BGH betonte, dass die Meinungsfreiheit auch die Unterhaltungspresse umfasse und dass dem Unterhaltungsinteresse der Leser grundsätzlich weniger Gewicht beigemessen werde als dem Interesse am Schutz der Privatsphäre.
115 The Federal Constitutional Court confirmed that approach, stating that whilst it had not, in its judgment of 15 December 1999, called into question the former case-law of the Federal Court of Justice, that did not mean that another concept of protection - giving greater weight to balancing the conflicting interests at stake when examining the question whether a photo could be regarded as an aspect of contemporary society and could accordingly be published without the consent of the person concerned - could not be in conformity with the Basic Law.115 Das BVerfG bestätigte diesen Ansatz und betonte, dass es in seinem Urteil vom 15. 12. 1999 zwar nicht die frühere Rechtsprechung des BGH in Frage gestellt habe, was aber auch nicht bedeutet habe, dass ein anderes Schutzkonzept - welches der Abwägung der sich widerstreitenden Interessen ein stärkeres Gewicht beimisst, wenn es um die Frage geht, ob ein Foto dem Bereich der Zeitgeschichte zuzuordnen ist und deshalb ohne Einwilligung der betroffenen Person veröffentlicht werden konnte - nicht auch mit dem Grundgesetz vereinbar sei.
116 In so far as the applicants alleged that the new approach of the Federal Court of Justice and the Federal Constitutional Court merely reproduced the reasoning of the former case-law using different terms, the Court reiterates that its task is not to review the relevant domestic law and practice in abstracto, but to determine whether the manner in which they were applied to the applicants has infringed Art. 8 of the Convention (see Karhuvaara and Iltalehti, cited above, § 49).116 Soweit die Beschwerdeführer behaupten, dass das neue Konzept des BGH und des BVerfG lediglich die Argumentation der früheren Rechtsprechung durch neue Begrifflichkeiten wiederhole, betont der Gerichtshof abermals, dass es nicht seine Aufgabe ist, das jeweilige nationale Recht und seine Anwendung abstrakt zu überprüfen, sondern festzustellen, ob dieses in einer Weise angewendet wird, die Art. 8 der Konvention verletzt (siehe Karhuvaara und Iltalehti, a. a. O., § 49).
117 The Court observes that in applying its new approach the Federal Court of Justice found that as neither the part of the article accompanying the photos of the applicants' skiing holiday nor the photos themselves contained information related to an event of contemporary society, they did not contribute to a debate of general interest. The Federal Court of Justice found that the same could not be said, however, with regard to the information in the articles about the illness affecting Prince Rainier III, the reigning sovereign of the Principality of Monaco at the time, and the conduct of the members of his family during that illness. In the Federal Court of Justice's opinion, that subject qualified as an event of contemporary society on which the magazines were entitled to report, and to include the photos in question in that report as these supported and illustrated the information being conveyed.117 Der Gerichtshof beobachtet, dass der BGH in der Anwendung seines neuen Schutzkonzeptes festgestellt hat, dass weder die Textberichterstattung, welche die Fotos vom Skiurlaub der Beschwerdeführer begleitete, noch die Fotos selbst etwas zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse beigetragen hätten, da sie keine Information über ein Ereignis aus dem Bereich der Zeitgeschichte enthielten. Der BGH stellte jedoch fest, dass Gleiches nicht in Bezug auf den Inhalt des Berichts über die Krankheit von Prinz Rainier III, dem damals regierenden Monarchen von Monaco, und dem Verhalten seiner Familienangehörigen zur Zeit seiner Krankheit, zugetroffen habe. Nach Auffassung des BGH stellte dieses Thema ein Ereignis aus dem Bereich der Zeitgeschichte dar, über welches die Zeitschriften berichten und die betreffenden Fotos beifügen durften, da diese die mitgeteilte Information unterstützten und bildlich darstellten.
K&R 2012, 185 The Federal Constitutional Court, for its part, observed that the Federal Court of Justice had accepted that the reigning prince of Monaco's illness could be regarded as a matter of general interest and that the press was therefore entitled to report on how the prince's children reconciled their obligations of family solidarity with the legitimate needs of their private life, among which was the desire to go on holiday. It also confirmed that there was a sufficiently close link between the photo and the event described in the article.Das BVerfG merkte seinerseits an, dass der BGH zu Recht die Krankheit des regierenden Fürsten von Monaco als Angelegenheit von allgemeinem Interesse eingeschätzt hatte, und dass die Presse deswegen darüber berichten durfte, wie die Kinder des Fürsten ihre Pflichten des familiären Beistandes mit den berechtigten Interessen ihres eigenen Privatlebens abstimmten, wozu auch der Wunsch zählte, in Urlaub zu fahren. Das BVerfG hat ebenfalls bestätigt, dass ein ausreichender Zusammenhang zwischen dem Foto und dem im Bericht beschriebenen Ereignis bestand.
118 The Court observes that the fact that the Federal Court of Justice assessed the information value of the photo in question in the light of the accompanying article cannot be criticised under the Convention (see, mutatis mutandis, Tønsbergs Blad A.S. and Haukom v. Norway, no. 510/04, § 87, ECHR 2007-III, and Österreichischer Rundfunk v. Austria, no. 35841/02, §§ 68 and 69, 7 December 2006). Regarding the characterisation of Prince Rainier's illness as an event of contemporary society, the Court is of the opinion that, having regard to the reasons advanced by the German courts, that interpretation cannot be considered unreasonable (see, mutatis mutandis, Editions Plon, cited above, §§ 46-57). It is worth mentioning in this connection that the Federal Court of Justice upheld the injunction forbidding publication of two other photos showing the applicants in similar circumstances, precisely on the grounds that they were being published for entertainment purposes alone. The Court can therefore accept that the photos in question, considered in the light of the accompanying articles, did contribute, at least to some degree, to a debate of general interest. It would reiterate, on this point, that not only does the press have the task of imparting information and ideas on all matters of public interest, the public also has a right to receive them (see paragraph 102 above).118 Der Gerichtshof stellt fest, dass der Umstand, dass der BGH den Informationswert des betreffenden Fotos im Lichte des es begleitenden Textberichts beurteilt hat, aus der Sicht der Konvention nicht gerügt werden kann (siehe, mutatis mutandis, Tønsbergs Blad A.S. und Haukom gegen Norwegen, no. 510/04, § 87, ECHR 2007-III, und Österreichischer Rundfunk gegen Österreich, no. 35841/02, §§ 68 und 69, 7. 12. 2006). Der Gerichtshof meint, dass die Einstufung der Krankheit von Fürst Rainier als Ereignis aus dem Bereich der Zeitgeschichte angesichts der Begründung durch die deutschen Gerichte nicht als unvertretbar betrachtet werden kann (siehe, mutatis mutandis, Editions Plon, a. a. O., §§ 46-57). In dieser Hinsicht sollte auch erwähnt werden, dass der BGH zwei untersagende Verfügungen zweier anderer Fotos bestätigt hat, welche die Beschwerdeführer in ähnlichen Lebenslagen zeigten, genauer gesagt, weil diese nur zu Unterhaltungszwecken veröffentlicht wurden. Demzufolge lässt es der Gerichtshof gelten, dass die betreffenden Fotos, im Lichte der sie begleitenden Textberichte, zumindest zu einem gewissen Grad zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse beigetragen haben. Der Gerichtshof möchte an dieser Stelle wiederholen, dass nicht nur die Presse ein Recht darauf hat, Informationen und Ideen zu allen Themen von öffentlichem Interesse zu verbreiten, sondern dass auch die Öffentlichkeit ein Recht darauf hat, diese zu empfangen (siehe oben Absatz Nr. 102).
119 In so far as the applicants complained of a risk that the media would circumvent the conditions laid down by the Federal Court of Justice by using any event of contemporary society as a pretext to justify the publication of photos of them, the Court notes that it is not its task, in the context of the present applications, to rule on the conformity with the Convention of any future publication of photos of the applicants. Should that happen, it will be open to them to bring proceedings in the appropriate national courts. The Court also observes that the Federal Constitutional Court stated in its judgment that where an article was merely a pretext for publishing a photo of a prominent person, no contribution was thereby made to the formation of public opinion and there were therefore no grounds for allowing the interest in publication to prevail over the protection of personality rights.119 Soweit die Beschwerdeführer das Risiko beanstandet haben, dass die Medien die vom BGH aufgestellten Kriterien umgingen, indem sie jedes Ereignis von zeitgeschichtlicher Bedeutung als Vorwand nähmen, um Fotos von ihnen zu veröffentlichen, merkt der Gerichtshof an, dass es vorliegend nicht seine Aufgabe ist, über die Einhaltung der Konvention bei zukünftigen Veröffentlichungen von Fotos der Beschwerdeführer zu entscheiden. Sollte dies geschehen, steht es ihnen offen, dagegen den Rechtsweg bei den zuständigen nationalen Gerichten einzuschlagen. Der Gerichtshof merkt außerdem an, dass das BVerfG in seinem Urteil klar gestellt hat, dass ein Beitrag zur öffentlichen Meinungsbildung dann nicht vorliegt und deshalb keine Gründe bestehen, das Interesse an der Veröffentlichung höher zu bewerten als den Schutz des Persönlichkeitsrechts, wenn ein Textbericht nur zum Vorwand genommen wird, um ein Foto einer bekannten Person zu veröffentlichen.
120 Admittedly, the Federal Court of Justice based its reasoning on the premise that the applicants were well-known public figures who particularly attracted public attention, without going into their reasons for reaching that conclusion. The Court considers, nonetheless, that irrespective of the question whether and to what extent the first applicant assumes official functions on behalf of the Principality of Monaco, it cannot be claimed that the applicants, who are undeniably very well known, are ordinary private individuals. They must, on the contrary, be regarded as public figures (see Gurgenidze, cited above, § 40; Sciacca, cited above, § 27; Reklos and Davourlis, cited above, § 38; and Giorgi Nikolaishvili v. Georgia, no. 37048/04, § 123).120 Zugegebenermaßen hat der BGH seine Urteilsbegründung von der Voraussetzung abhängig gemacht, dass die Beschwerdeführer bekannte Personen des öffentlichen Lebens sind, die in besonderem Maße öffentliche Aufmerksamkeit anziehen, ohne dass hier auf die näheren Gründe eingegangen werden soll, die dazu führen. Dennoch ist der Gerichtshof der Ansicht, dass unabhängig von der Frage, ob und zu welchem Ausmaß die Beschwerdeführerin zu 1 offizielle Funktionen für das Fürstentum Monaco ausübt, nicht behauptet werden kann, dass die Beschwerdeführer, die unbestreitbar sehr bekannt sind, einfache Privatpersonen seien. Im Gegenteil sogar müssen sie als Personen des öffentlichen Lebens betrachtet werden (siehe Gurgenidze, a. a. O., § 40; Sciacca, a. a. O., § 27; Reklos und Davourlis, a. a. O., § 38; und Giorgi Nikolaishvili gegen Georgien, no. 37048/04, § 123).
121 The Federal Court of Justice then examined the question whether the photos had been taken in circumstances unfavourable to the applicants. The Government submitted that the fact that the photos had been taken without the applicants' knowledge did not necessarily mean that they had been taken surreptitiously in conditions unfavourable to the applicants. The latter, for their part, alleged that the photos had been taken in a climate of general harassment with which they were constantly confronted.121 Der BGH ist dann der Frage nachgegangen, ob die Fotos unter für die Beschwerdeführer ungünstigen Umständen aufgenommen wurden. Die Regierung hat darauf hingewiesen, dass der Umstand, dass die Fotos ohne Wissen der Beschwerdeführer aufgenommen wurden, nicht zwangsläufig bedeute, dass die Fotos unter für die Beschwerdeführer ungünstigen Umständen heimlich aufgenommen wurden. Die Letzteren behaupteten ihrerseits, dass die Fotos in einer Atmosphäre allgemeiner Belästigung aufgenommen worden seien, mit der sie ständig konfrontiert seien.
K&R 2012, 186 122 The Court observes that the Federal Court of Justice concluded that the applicants had not adduced evidence of unfavourable circumstances in that connection and that there was nothing to indicate that the photos had been taken surreptitiously or by equivalent secret means such as to render their publication illegal. The Federal Constitutional Court, for its part, stated that the publishing company concerned had provided details of how the photo that had appeared in the Frau im Spiegel magazine had been taken, but that the first applicant had neither complained before the civil courts that those details were inadequate nor submitted that the photo in question had been taken in conditions that were unfavourable to her.122 Der Gerichtshof merkt an, dass der BGH folgerte, dass die Beschwerdeführer keinen Beweis für die diesbezüglichen ungünstigen Umstände erbracht hatten und dass es keine Hinweise darauf gab, dass die Fotos erschlichen oder auf ähnliche heimliche Weise hergestellt wurden, die eine Veröffentlichung rechtswidrig machen würden. Das BVerfG hat seinerseits festgestellt, dass der betroffene Verlag Einzelheiten über die Entstehung des Fotos, das in der Zeitschrift Frau im Spiegel erschienen ist, dargelegt hat, dass aber die Beschwerdeführerin zu 1 dies vor den Instanzgerichten weder bestritten habe noch ihrerseits dargelegt habe, dass das betreffende Foto unter für sie ungünstigen Umständen aufgenommen wurde.
123 The Court observes that, according to the case-law of the German courts, the circumstances in which photos have been taken constitutes one of the factors that are normally examined when the competing interests are balanced against each other. In the present case it can be seen from the decisions of the national courts that this factor did not require a more thorough examination as the applicants did not put forward any relevant arguments and there were no particular circumstances justifying an injunction against publishing the photos. The Court notes, moreover, as pointed out by the Federal Court of Justice, that the photos of the applicants in the middle of a street in St. Moritz in winter were not in themselves offensive to the point of justifying their prohibition.123 Der Gerichtshof stellt in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung der deutschen Gerichte fest, dass die Umstände, unter denen Fotos aufgenommen werden, eines der Kriterien zur Abwägung der sich widerstreitenden Interessen darstellen. Wie es sich aus den Urteilen der nationalen Gerichte ergibt, erfordert dieses Kriterium vorliegend keine tiefer gehende Untersuchung, da die Beschwerdeführer keine schlüssigen Argumente vorgetragen haben und keine besonderen Umstände ersichtlich waren, die eine Untersagung der Bildveröffentlichung gerechtfertigt hätten. Darüber hinaus merkt der Gerichtshof an, dass, wie auch der BGH betont hat, die Fotos der Beschwerdeführer, die in der Mitte einer Straße im winterlichen St. Moritz aufgenommen wurden, als solche nicht derart Ruf schädigend waren, dass ihre Untersagung gerechtfertigt gewesen wäre.
(d) Conclusion(d) Ergebnis
124 The Court observes that, in accordance with their case-law, the national courts carefully balanced the right of the publishing companies to freedom of expression against the right of the applicants to respect for their private life. In doing so, they attached fundamental importance to the question whether the photos, considered in the light of the accompanying articles, had contributed to a debate of general interest. They also examined the circumstances in which the photos had been taken.124 Der Gerichtshof stellt fest, dass die nationalen Gerichte im Einklang mit ihrer Rechtsprechung sorgfältig das den Verlagen zustehende Recht auf Meinungsfreiheit gegen das den Beschwerdeführern zustehende Recht auf Schutz ihres Privatlebens abgewogen haben. Dabei haben sie der Frage, ob die Fotos im Lichte der sie begleitenden Textberichte zu einer Diskussion von allgemeinem Interesse beigetragen haben, grundlegende Bedeutung zugemessen. Auch haben sie die Umstände untersucht, unter denen die Fotos aufgenommen wurden.
125 The Court also observes that the national courts explicitly took account of the Court's relevant case-law. Whilst the Federal Court of Justice had changed its approach following the Von Hannover judgment, the Federal Constitutional Court, for its part, had not only confirmed that approach, but also undertaken a detailed analysis of the Court's case-law in response to the applicants' complaints that the Federal Court of Justice had disregarded the Convention and the Court's case-law.125 Der Gerichtshof stellt auch fest, dass die nationalen Gerichte ausdrücklich die entsprechende Rechtsprechung des Gerichtshofs berücksichtigt haben. Während der BGH seine Rechtsprechung nach dem Von Hannover-Urteil geändert hat, hat das BVerfG seinerseits nicht nur dieses Konzept bestätigt, sondern auch eine detaillierte Auswertung der Rechtsprechung des Gerichtshofs als Reaktion auf die Verfassungsbeschwerde der Beschwerdeführer vorgenommen, mit der diese behauptet hatten, dass der BGH die Konvention und die Rechtsprechung des Gerichtshofs missachtet habe.
126 In those circumstances, and having regard to the margin of appreciation enjoyed by the national courts when balancing competing interests, the Court concludes that the latter have not failed to comply with their positive obligations under Art. 8 of the Convention. Accordingly, there has not been a violation of that provision.126 Unter diesen Umständen und unter Berücksichtigung des Ermessensspielraums der Mitgliedstaaten, der den nationalen Gerichten bei der Interessenabwägung zusteht, kommt der Gerichtshof zum Schluss, dass die Letzteren nicht bei der Erfüllung ihrer sich aus Art. 8 der Konvention ergebenden Handlungspflichten versagt haben. Demzufolge liegt kein Verstoß gegen diese Vorschrift vor.
For these reasons, the court unanimouslyAus diesen Gründen erkennt der Gerichtshof einstimmig
1. Disjoins the application in the case of Axel Springer AG v. Germany (no. 39954/08) from the present applications;1. Er trennt die vorliegende Beschwerde vom Verfahren der Axel Springer AG gegen Deutschland (Nr. 39954/08);
2. Declares the present applications admissible;2. Er erklärt die vorliegenden Beschwerden für zulässig;
3. Holds that there has been no violation of Art. 8 of the Convention.3. Er erkennt, dass keine Verletzung von Art. 8 der Konvention vorliegt.
Done in English and in French, and delivered at a public hearing in the Human Rights Building, Strasbourg, on 7 February 2012.Abgefasst in Englisch und Französisch, und am 7. 2. 2012 in öffentlicher Sitzung im Gebäude der Menschenrechte, Straßburg, verkündet.
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Hier liegt ein offensichtlicher Redaktionsfehler des EGMR vor, da der Schutzbereich der Meinungsfreiheit in Art. 10 Abs. 1 der Konvention festgelegt ist.

 
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