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RIW 2000, 833
Fülbier, Uwe Rolf und Honold, Dirk und Klar, Alexander 
Fülbier, Uwe Rolf und Honold, Dirk und Klar, Alexander
Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte

RIW 2000, 833 (Heft 11)
I. Einleitung»Geld geht dahin, wo Wissen ist. Nicht umgekehrt«1Neumann, Handelsblatt v. 15. 9. 1999, 57, mit einem Zitat von Kurt Biedenkopf.. Wissen in Form technologischer Innovationskraft sichert das Zukunftspotential eines Unternehmens. Produkt- und Prozessinnovationen verhelfen zu Wettbewerbsvorsprüngen, die sich in der Umsatz- und Ergebnisentwicklung niederschlagen. Das Vertrauen in das Zukunftspotential eines Unternehmens ist für Kapitalgeber wesentlich, um in dieses Unternehmen zu investieren. Dies setzt jedoch voraus, dass die technologische Innovationskraft eines Unternehmens von externer Seite erkannt und beurteilt werden kann.Das immer noch zentrale Informationsinstrument für externe Unternehmensbeteiligte ist der Jahresabschluss. Obwohl er konzeptionell auf die Abbildung vergangenen Geschehens ausgerichtet ist, wird er im Rahmen der Finanzanalyse als Ausgangsbasis - ex post auch als Kontrollinstrument - für Prognosemodelle benutzt2Vgl. Pellens/Fülbier, in: Baetge (Hrsg.), Zur Rechnungslegung nach International Accounting Standards (IAS), 2000, S. 37 f.. Relevante Daten sind zur Verfügung zu stellen, die bei der Bildung, Korrektur oder Bestätigung von Prognosen hilfreich sind. Diese Daten haben einer gewissen Zuverlässigkeit zu genügen, die mit Abbildungstreue und intersubjektiver Nachprüfbarkeit einhergeht3Vgl. dazu z. B. FASB, SFAC 2.33, 2.46 ff.. Das Spannungsverhältnis zwischen Relevanz (Relevance) und Zuverlässigkeit (Reliability) ist aber dafür verantwortlich, dass sich technologische Innovationskraft als hauptsächlich immaterieller Wert nur schwer in einer Bilanz abbilden lässt. Die Natur der körperlich nicht fassbaren, vermögenswerten Vorteile4Vgl. Buchner, in: Busse von Colbe/Pellens (Hrsg.), Lexikon des Rechnungswesens, 4. Aufl. 1998, S. 343; angelehnt an BFH, 9. 2. 1978 - IV R 201/74, BStBl. II 1978, 371: »alle vermögenswerten Vorteile eines Betriebs einschließlich tatsächlicher Zustände und konkreter Möglichkeiten«, worin sich auch die Nähe der steuerrechtlichen (nicht jedoch handelsrechtlichen) Aktivierungskonzeption zur Asset-Definition verdeutlicht; weitere Definitionen z. B. bei Haller, in: Möller/Schmidt (Hrsg.), FS Coenenberg, 1998, S. 564 ff.; Kählert, Die Abbildung immaterieller Werte im handelsrechtlichen Jahresabschluss, 1995, S. 4 ff.; v. Keitz, Immaterielle Güter in der internationalen Rechnungslegung, 1997, S. 5 ff. und die damit verbundenen Unsicherheiten bei ihrer Identifizierung, objektiven Überprüfung und quantitativen Abbildung haben im deutschen Handelsrecht dazu geführt, dass nicht entgeltlich erworbene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens gemäß § 248 Abs. 2 HGB nicht aktiviert werden dürfen. Mehr noch, die gesamte Aktivierungskonzeption des traditionell vom Vorsichtsprinzip getragenen, zur Ermittlung eines ausschüttbaren Gewinns konzipierten deutschen Handelsrechts privilegiert eher materielle Werte, die dem Kriterium der selbständigen Verwertbarkeit5Vgl. Baetge, Bilanzen, 4. Aufl. 1996, S. 146 ff.; angewendet auf immaterielle Werte z. B. von Glade, Immaterielle Anlagewerte in Handelsbilanz, Steuerbilanz und Vermögensaufstellung, 1991, S. 108 ff.; Hayn, IStR 1996, 355 f.; Kählert (Fn. 4), S. 72 ff.; v. Keitz (Fn. 4), S. 17 ff.; Niemann, Immaterielle Wirtschaftsgüter im Handels- und Steuerrecht, 1999, S. 7 ff. besser genügen.Gerade die von Moxter als »ewige Sorgenkinder des Bilanzrechts«6Moxter, BB 1979, 1102. bezeichneten immateriellen Werte haben sich aber in den vergangenen Jahren zum entscheidenden Werttreiber vieler Unternehmen entwickelt. Stärker noch als bei Unternehmen der »Old Economy« lässt sich bei solchen der »New Economy«, z. B. aus den Bereichen Biotechnologie, Software oder E-Commerce, beobachten, dass die an der Börse festgestellten Marktwerte von den bilanziellen Buchwerten des Eigenkapitals deutlich abweichen. Dies spricht dafür, dass sich wichtige Werttreiber dieser Unternehmen nicht in der Bilanz widerspiegeln, aber dennoch Einfluss auf die Anlageentscheidungen der Kapitalmarktteilnehmer haben7Vgl. Maul/Menninger, DB 2000, 529; Mullen, Accountancy, Nov. 1993, 92 ff.; Myers, CFO, Sept. 1996, 49 ff.; zum Verhältnis von Unternehmensbewertung und immateriellen Werten vgl. auch Haller (Fn. 4), S. 581 ff.; interessant ist auch das Beispiel Coca-Cola: Es wird geschätzt, dass 95% des Börsenwertes auf (nicht bilanzierte) immaterielle Werte (insb. Marke) zurückzuführen sind; vgl. dazu Henzler, FAZ v. 27. 12. 1999, 23.. In diese Richtung deuten auch hohe Kurs-Umsatz-Verhältnisse, die hier immer wieder festzustellen sind. Die restriktive bilanzielle Erfassung immaterieller Werte führt dazu, dass junge, technologie- und forschungsintensive Unternehmen oftmals hohe Verluste ausweisen, da Ausgaben zur Schaffung solcher Werte unmittelbar zu Aufwand werden. Zusätzliche Informationen, insbesondere im Rahmen des für Kapitalgesellschaften vorgeschriebenen Lageberichts zu Forschung und Entwicklung (§§ 289 Abs. 2 Nr. 3, 315 Abs. 2 Nr. 3) und zur voraussichtlichen Entwicklung (§§ 289 Abs. 2 Nr. 2, 315 Abs. 2 Nr. 2) mögen Abhilfe schaffen. Ein Blick in die Fachliteratur zeigt allerdings, wie enttäuschend wenig hier publiziert wird8Vgl. insb. Baetge/Dossmann/Rolvering, Handelsblatt v. 27. 9. 1999, 56; Ballwieser, in: Fischer/Hömberg (Hrsg.), FS Baetge, 1997, S. 153 ff.; Brotte, US-amerikanische und deutsche Geschäftsberichte, 1997, S. 183 ff.; Krumbholz, Die Qualität publizierter Lageberichte, 1994; kritisch zur Abbildung von Innovationen im gesamten Rechnungswesen z. B. auch Haller (Fn. 4), S. 562 ff.; Littkemann, DB 1998, 1973 ff.; Neumann (Fn. 1), 57..Eine mögliche Lösung deutet sich im Zusammenhang mit dem 1997 an der Frankfurter Wertpapierbörse etablierten Neuen Markt an. Dieses neue Marktsegement ist schließlich für junge Wachstumsunternehmen konzipiert worden, um ihnen die schwierige Suche nach neuem Risikokapital zu erleichtern. Die Regeln des Neuen Marktes stellen nun verstärkte Anforderungen an die gesamte Unternehmenspublizität der Emittenten und schreiben andere Rechnungslegungsregeln vor: die ausschließlich der Informationsfunktion dienenden US-Generally Accepted Acccounting Principles (US-GAAP) oder International Accounting Standards (IAS)9Vgl. Deutsche Börse AG, Regelwerk Neuer Markt (Stand 1. 7. 2000), Abschn. 2, Art. 4.1.9 (3) u. 7.2.2 (1); der SMAX folgt ab 2002 nach; vgl. Deutsche Börse AG, SMAX-Teilnahmebedingungen (Stand 1. 7. 2000), Art. 2 (10) u. 3.2 (1); zur Informationsausrichtung von US-GAAP und IAS vgl. z. B. Pellens, Internationale Rechnungslegung, 3. Aufl. 1999, S. 132 f., 412 f..Im Folgenden soll untersucht werden, ob diese Regeln entsprechend ihrer Zielsetzung wirklich eher in der Lage sind, immaterielle Werte10Betrachtet werden nur immaterielle Werte des Anlagevermögens (Intangibles); der derivative Goodwill bleibt weitgehend außen vor; vgl. dazu Lopatta, RIW 2000, 354. im Jahresabschluss zu erfassen. Dazu werden im zweiten Kapitel die existierenden Regeln zur Abbildung immaterieller Werte nach US-GAAP und IAS aufgezeigt und beispielhaft mit den Spezifika eines Biotechnologieunternehmens konfrontiert. Im dritten Kapitel wird die praktische Relevanz der aufgezeigten Regeln verdeutlicht, indem Jahresabschlüsse der am Neuen Markt notierten Biotechnologieunternehmen ausgewertet werden. Eine Beurteilung der US-GAAP- und IAS-Bilanzierung im Hinblick aufdie Unternehmensanalyse folgt im vierten Kapitel, ehe die Ausführungen mit einer Zusammenfassung schließen.II. Bilanzierung immaterieller Werte nach US-GAAP und IAS1. US-GAAPa) Aktivierungskonzeption und RegulierungsgrundlageDie eher dynamisch geprägte Asset-Definition nach US-GAAP geht über die des Vermögensgegenstandes nach deutschem Handelsrecht hinaus. Sie stellt auf den wahrscheinlichen künftigen ökonomischen Nutzen ab, der sich direkt oder indirekt in kontrollierbaren künftigen Netto-Einzahlungsströmen auf Unternehmensebene konkretisiert. Ein daraus resultierender Asset ist zu aktivieren, wenn sein Wert hinreichend sicher bestimmbar ist und die Aktivierung eine relevante und zuverlässige Information generiert11Vgl. FASB, SFAC 5.63; in der Anwendung auf immaterielle Werte v. Keitz (Fn. 4), S. 109 ff..Neben der allgemeinen, im Framework des Financial Accounting Standards Board (FASB) festgelegten Asset-Definition weist das kasuistische System der US-GAAP, wie Tabelle 1 zu entnehmen ist, eine Vielzahl von Regeln zur Bilanzierung immaterieller Werte auf. Zentrale Vorschrift ist hier APB Opinion (APBO) No. 17, nach der alle erworbenen immateriellen Vermögenswerte zu Anschaffungskosten zu aktivieren sind. Selbst geschaffene immaterielle Vermögenswerte sind hiernach grundsätzlich mit ihren Ausgaben zu aktivieren, sofern sie eindeutig identifizierbar sind und eine begrenzte Nutzungsdauer haben. Andernfalls müssen sie sofort als Aufwand der jeweiligen Periode verrechnet werden. Die Abschreibungsdauer soll sich an der Nutzungsdauer orientieren; sie darf 40 Jahre nicht überschreiten, auch wenn die voraussichtliche Nutzungsdauer länger ist (APBO 17.27 ff.; AIN APB17).12Vgl. ausführlicher dazu v. Keitz (Fn. 4), S. 116 ff.APBO 17 gilt nur, wenn keine Spezialvorschriften greifen. Diese untereinander nicht immer konsistenten Vorschriften regulieren die Bilanzierung verschiedener, meist branchenspezifischer Arten immaterieller Vermögenswerte und sollen im Folgenden nur insoweit betrachtet werden, wie sie Biotechnologieunternehmen betreffen.b) Forschung und Entwicklung einschließlich PatenteAusgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) stellen für Biotechnologieunternehmen die wichtigsten Investitionen dar. In Statement of Financial Accounting Standards (SFAS) No. 2.12 wird jedoch festgelegt, dass alle Ausgaben im Zusammenhang mit F&E grundsätzlich als Aufwand der Periode zu verrechnen sind. Lediglich Teile der F&E-Ausgaben, die unspezifische, auch anderweitig einsetzbare Laborausstattungen und verwendete Versuchsmaterialien betreffen, sind unter dem materiellen Vermögen zu aktivieren und über ihre Nutzungsdauer als F&E-Aufwand zu verteilen (SFAS 2.11 a). Ein Aktivierungsgebot gilt auch für die von Dritten für den F&E-Bereich erworbenen immateriellen Werte, wie z. B. Patente, sofern sie im Rahmen mehrerer Forschungsprojekte eingesetzt werden können und damit »Alternative Future Uses« aufweisen (SFAS 2.11 c).Bei der Auftragsforschung unterscheidet SFAS 68 zwischen der klassischen Auftragsforschung und der verdeckten Finanzierung der eigenen Forschung. Letztere liegt vor, wenn ein Biotechnologieunternehmen von dritter Seite Finanzmittel zur Durchführung der eigenen F&E erhält und diese Mittel unabhängig vom Erfolg wieder zurückzahlen muss. HierTabelle 1: Wichtige US-amerikanische Regeln zur Bilanzierung immaterieller VermögenswerteStandardInhaltGoodwill-Bilanzierung bzw. Behandlung eines negativen Unterschiedsbetrags im Rahmen der KapitalkonsolidierungAktivierungsgebot für eindeutig identifizierbare und abnutzbare immaterielle AssetsAktivierungsverbot für F&E-Ausgaben; dies gilt auch für die im Kaufpreis eines Tochterunternehmens entgoltene F&EAktivierungsverbot für IngangsetzungsausgabenAktivierungsgebot von bestimmten F&E-Maßnahmen (z. B. Ausgaben zur Gebietserschließung, Probebohrungen etc.) bei rohstoffabbauenden IndustrienAktivierungsverbot für Güterverkehrslizenzen; Aktivierungsgebot für sonstige LizenzenAktivierungsgebot für die Herstellungsausgaben von Mastertonträgern, sofern der Künstler eine hohe Reputation besitztAktivierungsgebot bzw -verbot für Ausgaben im Bereich der Auftragsforschung in Abhängigkeit von der VertragsgestaltungAktivierungsgebot von Ausgaben für die Software-Entwicklung ab zweifelsfreier Feststellung der technischen Durchführbarkeit (Technical Feasibility) bzw. - bei interner Nutzung - eines bestimmten ProjektfortschrittsAktivierungsgebot der Herstellungsausgaben für MasterfilmeAktivierungsverbot für Werbungsausgaben mit Ausnahme der sog. Direktwerbung (Direct-Response Advertising).hat das Unternehmen eine Verbindlichkeit zu buchen und die anfallenden Ausgaben als F&E-Aufwand gemäß SFAS 2.12 zu verrechnen (SFAS 68.5 ff.)13Vgl. auch Delaney et al., Wiley GAAP 98, 1998, S. 296.. Handelt es sich hingegen um keinen Finanzierungsvorgang, sondern um das Erbringen einer Dienstleistung im Bereich der F&E, hat der Auftraggeber Ausgaben für die in Anspruch genommene Dienstleistung, die im Rahmen der eigenen F&E Verwendung finden, als F&E-Aufwand der Periode zu erfassen (SFAS 2.11 d). DerVertragspartner, das im Auftrag forschende Unternehmen, erbringt hingegen eine Dienstleistung, die zu Umsatzerlösen führt, denen Herstellungskosten des Umsatzes gegenüberstehen. Ist der F&E-Auftrag zum Bilanzstichtag noch nicht abgeschlossen, muss der unfertige Auftrag im Vorratsvermögen aktiviert werden. Greifen die Voraussetzungen der Percentage-of-Completion Method, werden im Laufe der Projektarbeiten auch Teilgewinne realisiert (ARB 45).Die im Kaufpreis eines Tochterunternehmens entgoltenen F&E-Aktivitäten (Purchased In-Process Research and Development) sind gemäß FASB Interpretation (FIN) No. 4 unmittelbar als Aufwand zu verrechnen. FIN 4 orientiert sich hier an SFAS 2. 12. Im Rahmen des 1996 vom FASB initiierten Projekts zu »Business Combinations and Intangible Assets« wurde in diesem Zusammenhang alternativ die Aktivierung mit anschließender planmäßiger Abschreibung als Neuregelung diskutiert, ehe sich das FASB 1999 entschloss, diese Frage vorerst nicht weiterzuverfolgen14Vgl. FASB, News Release 7/28/99; dazu u. a. FASB, Status Report, No. 309, Financial Accounting Series No. 193-A v. Jan. 13, 1999, S. 3 f.; FASB, Status Report, No. 318, Financial Accounting Series No. 202-A v. Oct. 12, 1999; S. 3 f.; vgl. auch Beckman, Journal of Corporate Accounting and Finance, Summer 1998, 55 ff.; KPMG (Hrsg.), Rechnungslegung nach US-amerikanischen Grundsätzen, 2. Aufl. 1999, S. 149..Für die Aktivierung selbst entwickelter Patente ist zunächst zu prüfen, ob es sich um immaterielle Vermögenswerte im Sinne der Asset-Definition handelt. So ist insbesondere der künftige wirtschaftliche Nutzen der Patente nachzuweisen. Bei reinen Schutzpatenten, welche Dritten den Zugang zu bestimmten Forschungsergebnissen versperren sollen, ist dieser Punkt bereits kritisch. Gelingt der Nachweis, so handelt es sich infolge des rechtlichen Patentschutzes von 20 Jahren um identifizierbare immaterielle Vermögenswerte mit einer bestimmbaren Nutzungsdauer im Sinne von APBO 17. Sie sind zu Herstellungskosten zu aktivieren. Der Abschreibungszeitraum bestimmt sich nach der rechtlichen Patentlaufzeit oder, sofern kürzer, der wirtschaftlichen Nutzungsdauer. Aufgrund des für F&E-Ausgaben geltenden Aktivierungsverbots können aber nur direkt mit der Anmeldung des Patents verbundene Ausgaben aktiviert werden. Die so bilanzierten Herstellungskosten eines Patents stellen damit nur einen Bruchteil der tatsächlich angefallenen Kosten dar. Kommt es nachfolgend zu Patentstreitigkeiten, sind die nicht erstatteten Prozessausgaben einer erfolgreichen Verteidigung dem Buchwert des Patents zuzuschreiben, da sie die Gültigkeit des Patents und seine Durchsetzbarkeit sichern15Vgl. Kieso/Weygandt, Intermediate Accounting, 9. Aufl. 1998, S. 597 f.; KPMG (Fn. 14), S. 77 f.; Moody, in: Carmichael/Lilien/Mellman (Hrsg.), Accountants' Handbook, 9. Aufl. 1999, Vol. 1, S. 17.12 f..c) Sonstige immaterielle VermögenswerteUnter die sonstigen immateriellen Vermögenswerte fallen neben Werbeausgaben und Marken insbesondere das Knowhow der Mitarbeiter sowie Lizenzen. Biotechnologieunternehmen betreiben ihre Werbeaktivitäten i. d. R. durch Präsentationen auf Fachmessen und durch Anzeigen in Fachzeitschriften. Werbeausgaben sind gemäß SOP 93-7.26 bei ihrem Anfall bzw. zum Zeitpunkt der Werbung als Aufwand zu erfassen. Nur Direktwerbung (Direct-Response Advertising) muss nach Erfüllung bestimmter Kriterien aktiviert werden. Direktwerbung liegt vor, wenn für einen bestimmten Kundenkreis statistisch nachweisbar ist, dass ein Teil von ihnen werbebedingt das Produkt erwerben bzw. die Dienstleistung in Anspruch nehmen wird. Um einen künftigen wirtschaftlichen Nutzen generieren zu können, müssen die hieraus resultierenden Einnahmen die Werbeausgaben übersteigen16Vgl. zu SOP 93-7 ausführlicher Delaney et al. (Fn. 13), S. 299; v. Keitz (Fn. 4), S. 162 ff.; Moody (Fn. 15), S. 17.18 ff.; weiterführend auch Maples/Earles, Journal of Accountancy, May 1999, 49 ff..Bei der Teilnahme an einer Fachmesse handelt es sich zunächst um eine Vertriebsaktivität. Im Rahmen der Messeaktivitäten ist es aber möglich, Direktwerbung zu betreiben und eine Beziehung zwischen der Werbeaktivität und dadurch hervorgerufenen, künftigen Umsätzen zu konstruieren. Wegen der schwierigen Operationalisierbarkeit der Aktivierungskriterien verbleiben aber gewisse Spielräume. Zudem dürfen nur die mit der Direktwerbung verbundenen Ausgaben aktiviert und abgeschrieben werden.Die Bilanzierung von Marken richtet sich nach APBO 17. Die hier geforderte Identifizierbarkeit und Bestimmbarkeit der Nutzungsdauer ist aufgrund des rechtlichen Schutzes der Marke bzw. des Warenzeichens unproblematisch. Es dürfen jedoch nur die im Zusammenhang mit der Registrierung anfallenden Ausgaben angesetzt werden. Kommt es im Laufe der Nutzung zu erfolgreich geführten Rechtsstreitigkeiten, dürfen entsprechende Ausgaben als nachträgliche Herstellungskosten aktiviert werden17Vgl. Moody (Fn. 15), S. 17.18.. Diese Bilanzierung ist zwar pagatorisch abgesichert, lässt aber die Buchwerte der Marken stark von ihren Marktwerten abweichen, die z. B. im Marketing unter Verwendung verschiedener Markenbewertungsansätze ermittelt werden18Vgl. zur Bewertung von Marken z. B. Sattler, DBW 1999, 633 ff. m. w. N.; zur Bedeutung von Marken für High-Tech-Unternehmen Ward/Light/Goldstine, Harvard Business Review, July/Aug. 1999, 85 ff.. Erst wenn die Marken durch ein anderes Unternehmen erworben werden, spiegelt die Bilanz des Erwerbers zu diesem Zeitpunkt den Marktwert wider.Hoch qualifizierte Mitarbeiter sind für viele Unternehmen im Bereich der Biotechnologie Garant künftiger Zahlungszuflüsse. Der Unterschied zwischen hoch qualifizierten und anderen Mitarbeitern ist unternehmensintern, z. B. aufgrund von Gehaltsunterschieden, zu identifizieren. Ähnliches gilt z. B. für Ausgaben zur Suche geeigneter Mitarbeiter oder Weiterbildungsmaßnahmen. Die Aktivierung von Humankapital scheitert jedoch an der fehlenden Kontrolle seitens des bilanzierenden Unternehmens. So sind Arbeitsverträge von Mitarbeiterseite kurzfristig kündbar, und während laufender Arbeitsverhältnisse kann die Nutzung intellektueller Fähigkeiten kaum erzwungen werden. Zudem fallen die Personalausgaben im F&E-Bereich unter das Aktivierungsverbot von SFAS 2.12.Die Ausgaben für den Abschluss von Lizenzabkommen, die die Nutzung patentierter, urheber- oder eigentumsrechtlich geschützter Produkte oder Verfahren gestatten, sind zu aktivieren und über die Vereinbarungsdauer abzuschreiben. Unter diese Ausgaben fallen sämtliche einmalig notwendigen Zahlungen einschließlich anfallender Anwaltsgebühren. Periodische Zahlungen sind aufgrund des Periodisierungsgrundsatzes als Aufwand der Periode zu erfassen, da sie mit der laufenden Nutzung des Produkts oder Verfahrens zusammenhängen19Vgl. KPMG (Fn. 14), S. 80..2. IASa) Aktivierungskonzeption und RegulierungsgrundlageDie Asset-Definition der IAS entspricht im Wesentlichen derjenigen nach US-GAAP. Anders als bei US-GAAP wirddie Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte seit September 1998 in einer zentralen Vorschrift, in IAS 38, geregelt, der auf den Inhalten des durch ihn aufgehobenen IAS 9 beruht. IAS 38 ist für die Geschäftsjahre ab dem 1. 7. 1999 anzuwenden, wobei eine frühere Anwendung vom International Accounting Standards Committee (IASC) empfohlen wurde (IAS 38. 122). Vom Geltungsbereich des IAS 38 sind diejenigen Bereiche ausgeschlossen, die in anderen IAS, z. B. zu Vorräten (IAS 2, 11), finanziellen Vermögenswerten (u. a. IAS 32, 39) oder zum derivativen Goodwill (IAS 22), reguliert sind (IAS 38.2).Ein immaterieller Vermögenswert ist gemäß IAS 38.18 generell zu aktivieren, sobald er der Asset-Definition sowie weiteren Ansatzkriterien genügt. So muss der immaterielle Wert identifizierbar, d. h. klar vom originären Goodwill trennbar, sein. Der Nachweis der Identifizierbarkeit kann über die Separierbarkeit des Vermögenswertes erfolgen, ohne dass diese ein notwendiges Kriterium darstellt (IAS 38.11 f.). Die Identifizierbarkeit lässt sich am besten, wie z. B. im Fall der Patente, durch ein einklagbares (Schutz-)Recht nachweisen. Gleiches gilt für das Kriterium der Kontrolle (IAS 38.13 ff.). Sofern alle Ansatzkriterien kumulativ erfüllt werden, ist der immaterielle Vermögenswert zu seinen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten zu aktivieren (IAS 38.22) und über die bestmöglich geschätzte Nutzungsdauer abzuschreiben (IAS 38.63, 38.79 ff.). Alternativ zu den planmäßigen Abschreibungen kommt nach IAS 38.64 ff. unter restriktiven Voraussetzungen auch die kontinuierliche und - sofern über den historischen Kosten liegend - erfolgsneutrale Neubewertung in Frage. Im Nutzungsverlauf ist der aktivierte immaterielle Wert zu den jeweiligen Bilanzstichtagen einem Werttest zu unterziehen (IAS 38.97 ff.).Probleme bei der Beurteilung der allgemeinen Ansatzkriterien ergeben sich häufig bei den selbst erstellten immateriellen Vermögenswerten. IAS 38 unterteilt den Erstellungsprozess der immateriellen Vermögenswerte in eine Forschungs- und eine Entwicklungsphase. Die Begriffe »Forschung« und »Entwicklung« sind dabei so weit gefasst, dass sie nicht nur - wie bei IAS 9 - technologische Innovationsprozesse, sondern sämtliche Erstellungsprozesse aller immateriellen Werte umfassen. Sollte diese Phasenunterteilung für einzelne Projekte nicht möglich sein, sind die gesamten Projektausgaben direkt als Aufwand der Periode zu erfassen (IAS 38.40 f.). Ansonsten sind Ausgaben der Forschungsphase gemäß IAS 38.42 grundsätzlich als Aufwand der Periode zu verrechnen, während für die Ausgaben der Entwicklungsphase unter bestimmten, zusätzlichen Voraussetzungen ein Aktivierungsgebot besteht (IAS 38.45). Mit dem Zeitpunkt der erstmaligen Erfüllung dieser Voraussetzungen sind die entsprechenden Herstellungskosten zu aktivieren. Die Nachaktivierung von bereits als Aufwand verrechneten Entwicklungsausgaben früherer Perioden ist nicht gestattet (IAS 38.53, 38.59).Nach Ansicht des IASC genügen die Ausgaben für Gründung und Anlauf eines Geschäftsbetriebs, für Aus- und Weiterbildung, Werbeaktivitäten und Reorganisation nicht den Ansatzkriterien eines immateriellen Vermögenswertes (IAS 38.57). Selbst geschaffene Markennamen, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten und ihrem Wesen nach ähnliche Werte werden ebenfalls von der Aktivierung ausgeschlossen, da die diesbezüglichen Ausgaben von den allgemeinen Ausgaben für den (originären) Goodwill nicht zu trennen seien (IAS 38.51 f.)20Vgl. dazu auch Baetge/v. Keitz, in: Baetge et al. (Hrsg.), Rechnungslegung nach International Accounting Standards (IAS), 1997, E 50, Rdnr. 14 ff., 50 f..b) Forschung und Entwicklung einschließlich PatenteDa Forschungsausgaben gemäß IAS 38.42 nicht aktiviert werden, stehen die unter bestimmten Bedingungen aktivierungsfähigen Entwicklungsausgaben im Mittelpunkt der Betrachtung. Problematisch ist die genaue Differenzierung zwischen Forschungs- und Entwicklungsphase. In prozessualer Sicht ist die Forschung der Entwicklung vorgelagert und zielt auf die Entdeckung neuen Wissens, mittels dessen neue Güter, Prozesse oder Technologien entwickelt oder bestehende verbessert werden können. Obwohl in der Forschungsphase bereits eine Produktidee vorhanden sein kann, steht die Identifizierung eines realisierbaren neuen Produktes oder Verfahrens erst in der Entwicklungsphase im Vordergrund: Produktion sowie Vermarktung werden hier geplant21Vgl. Pellens (Fn. 9), S. 432; dazu auch IAS 38.7; SFAS 2.8; Kieso/Weygandt (Fn. 15), S. 608 f.. Der (experimentelle) Nachweis, dass das zugrunde liegende Verfahren durchführbar ist, könnte den Übergang in die Entwicklungsphase markieren22Vgl. ähnlich zur Abgrenzung von Softwareentwicklungsausgaben Epstein/Mirza, Wiley IAS 2000, 2000, S. 296 f.. Zumindest unter Laborbedingungen wäre von diesem Zeitpunkt an die Praktikabilität eines Verfahrens bewiesen, so dass mit der Umsetzung in ein konkretes Produkt begonnen werden könnte.Die Produktentwicklung stellt aber keinen geradlinigen Prozess dar, es kommt immer wieder zu Modifikationen und Forschungsaktivitäten an bereits entwickelten Verfahren und Prototypen. Des Weiteren kommt es oftmals zu sog. Spin-Offs. Darunter sind in der Entwicklungsphase als Nebenprodukt anfallende Innovationen und weiterführende Forschungsaktivitäten zu verstehen. Eine eindeutige Phasentrennung ist hier zumindest schwierig. Dies scheint nur möglich, wenn ein intaktes Projektmanagement und ein entsprechend leistungsfähiges Kostenrechnungs- und Controllingsystem etabliert ist. Ansonsten droht gemäß IAS 38.41 die unmittelbare Aufwandsverrechnung sämtlicher F&E-Ausgaben.Sind die Ausgaben des Entwicklungsbereichs identifiziert, können sie gemäß IAS 38.45 nur aktiviert werden, wenn das Biotechnologieunternehmen zusätzlich sechs Kriterien kumulativ erfüllt:- Technische Fähigkeit, das Projekt zu vollenden und der Nutzung zuzuführen: Wie dieser Nachweis erfolgen soll, bleibt gerade vor dem Hintergrund offen, dass vor der eigentlichen Markteinführung des Produkts oft noch Tests und behördliche Genehmigungsverfahren zu durchlaufen sind. Im Gesundheitsbereich wird deshalb regelmäßig die Aktivierung jeglicher Entwicklungsausgaben für Pharmazeutika mit Hinweis auf noch durchzuführende klinische Tests verworfen23Vgl. stellvertretend für viele Bayer AG, Geschäftsbericht 1995, S. 60; Bayer AG, Geschäftsbericht 1996, S. 66; dazu Cairns, Applying International Accountings Standards, 2. Aufl. 1999, S. 396.. Des Weiteren wird argumentiert, dass erst nach der letzten Modifikation des Produkts - wenn die CE-Kennzeichnung für das Produkt nach erfolgreichen Tests erteilt wird und die eigentliche Markteinführung beginnen kann - der Nachweis der technischen Realisierbarkeit wirklich verlässlich erfolgen kann24Vgl. Menn, in: Baetge et al. (Hrsg.), Rechnungslegung nach International Accounting Standards (IAS), 1997, IAS 9, Rdnr. 50 ff.. Diese strenge Auslegung würde aber einem faktischen Aktivierungsverbot gleichkommen, das nicht im Interesse des IASC sein dürfte.Selbst wenn toxikologische Risiken aufgrund laufender klinischer Tests noch nicht auszuschließen sind, scheint einleuchtend, dass nicht nur endgültige Medikamente Produkteigenschaft besitzen, sondern letztlich alle veräußerungsfähigen (Teil-)Erkenntnisse aus der vorangegangenen F&E. Für diese Vorstufen existieren i. d. R. Märkte, unabhängig von den Realisationschancen des zugehörigen Endprodukts. Zudem können bereits patentierte Ergebnisse der Entwicklungstätigkeit zu künftigem wirtschaftlichem Nutzen in Form von Lizenzeinnahmen führen. Ein Dritter müsste sich aber während der Entwicklungsphase verpflichtet haben, das Verfahren später zu lizenzieren, da eine nachträgliche Aktivierung bereits als Aufwand verrechneter Entwicklungsausgaben zum Zeitpunkt der Lizenzvergabe verboten ist (IAS 38.59).Sind klinische Tests, z. B. bei In-vitro-Diagnostika, nicht erforderlich, so greifen immer noch bestimmte Genehmigungsverfahren. Um die CE-Kennzeichnung zu erlangen, haben In-vitro-Diagnostika verschiedene Konformitätsbewertungsverfahren zu durchlaufen, innerhalb deren Sicherheit, Funktion und Verträglichkeit des Produktes überprüft werden25Vgl. RWTÜV e. V., Informationsmappe: CE-Kennzeichnung (Medizinprodukte 93/42/EWG), 1998, S. 4, 25 f.. Ist ein Qualitätsmanagement-System etabliert und in Form der DIN EN ISO 9001 zertifiziert, dürften die Konformitätsbewertungsverfahren und die CE-Kennzeichnung problemlos verlaufen. Die Notwendigkeit, das Produkt dokumentierten Durchführbarkeitstests zu unterwerfen, bleibt davon unberührt.- Absicht, das Projekt zu vollenden und das Projektergebnis (Produkt, Verfahren) zu verkaufen oder es selbst zu nutzen: Auch dieses zweite Kriterium ist nicht weiter konkretisiert. In der Literatur wird indes gefordert, dass bereits ein konkreter und durchführbarer Plan zur Vermarktung und Nutzung des immateriellen Vermögensgegenstands vorliegen muss.26Vgl. Menn (Fn. 24), Rdnr. 55. Für den Bilanzierenden verbleiben große Ermessensspielräume, da nicht spezifiziert ist, wie verbindlich und wie konkret diese Pläne letztlich sein müssen. Oftmals bedienen sich gerade junge Biotechnologieunternehmen für die eigentliche Produktion und Vermarktung ihrer Produkte der Dienste Dritter. Fraglich ist, ob hier bereits ein Vertrag abgeschlossen sein muss oder ob es ausreicht, wenn nachweisbar erste Verhandlungen geführt werden.- Fähigkeit, das Projektergebnis (Produkt, Verfahren) zu verkaufen oder selbst zu nutzen: Auch hier enthält IAS 38 keine Spezifizierung dieses in IAS 9 noch nicht enthaltenen Kriteriums. Es scheint gar redundant, da es sich aus der Erfüllung anderer Kriterien (Nr. 2, 5) ableiten lässt.- Künftiger ökonomischer Nutzen: Dieser Nutzen kann u. a. durch die Existenz eines Markts für das spätere Produkt oder Verfahren nachgewiesen werden. Ausgaben für notwendige Marktforschungsstudien dürfen hier nicht aktiviert werden, da sie anfallen, bevor die Kriterien erfüllt sind27Vgl. Menn (Fn. 24), Rdnr. 58.. Sofern keine externe Verwertung geplant ist, muss der unternehmensinterne Nutzen nachgewiesen werden. Der Nutzennachweis kann auch unter Rückgriff auf IAS 36 und die dort beschriebenen Methoden erfolgen (IAS 38.48).- Ausreichende Verfügbarkeit technischer, finanzieller und sonstiger Ressourcen zur Projektrealisation: Der entsprechende Nachweis kann mit Hilfe eines Business Plan erfolgen, der die benötigten Ressourcen benennt, quantifiziert und die Fähigkeit des Unternehmens belegt, über diese Ressourcen zu verfügen (IAS 38.49).- Verlässliche Messbarkeit der zurechenbaren Entwicklungsausgaben: Die Ausgaben der einzelnen F&E-Projekte müssen identifizierbar und klar voneinander zu trennen sein. Ein leistungsfähiges Projektcontrolling dürfte dies i. d. R. sicherstellen (IAS 38.50)28Vgl. Baetge/v. Keitz (Fn. 20), Rdnr. 48 f.; Menn (Fn. 24), Rdnr. 47 ff..IAS 38.45 ist von einer Vielzahl von Ermessensspielräumen geprägt29Vgl. Baetge/v. Keitz (Fn. 20), Rdnr. 36 ff.; Pellens (Fn. 9), S. 437; vgl. allg. zu Auslegungsfragen bei den IAS Wollmert/Achleitner, WPg 1997, 211 f.. Bei der Auslegung ist zu erwarten, dass Bilanzierer und vor allem auch Prüfer auf nationale Rechnungslegungsvorstellungen zurückgreifen. Ein deutscher, (noch) in den Kategorien des Vorsichtsprinzips denkender Wirtschaftsprüfer wird hier in Zweifelsfällen wohl eher den Aspekt der Zuverlässigkeit (über-)betonen und eine stärkere Aufwandsverrechnung befürworten.IAS 38 hat nicht die Regulierungstiefe der US-amerikanischen Regeln in ihrer Gesamtheit. So fehlen auch eindeutige Vorschriften zur Auftragsforschung. IAS 38.2a kann jedoch so gedeutet werden, dass analog US-GAAP beim beauftragten Unternehmen eine Dienstleistung zu bilanzieren ist, die dort - sofern noch nicht abgeschlossen - am Bilanzstichtag zu einer Aktivierung im Umlaufvermögen führt. Bei langfristiger Auftragsforschung finden hier allgemein IAS 2 zur Vorratsbilanzierung und IAS 11 zur langfristigen Auftragsfertigung Anwendung30Vgl. Baetge/v. Keitz (Fn. 20), Rdnr. 19.. Vorschriften für die in SFAS 68.5 ff. eher als Finanzierung angesehene »Auftragsforschung« existieren nach IAS 38 nicht. Der IAS immanente Zwang zur wirtschaftlich richtigen Darstellung müsste aber auch hier beim forschenden Unternehmen dazu führen, eine »normale« F&E-Tätigkeit und einen Finanzierungsvorgang zu verbuchen.Die bilanzielle Behandlung entgeltlich erworbener F&E-Erkenntnisse orientiert sich an den allgemeinen Ansatzkriterien des IAS 38, die unabhängig davon gelten, wie das Eigentum erlangt wurde. Als problematisch erweisen sich hierbei ungeschützte experimentelle Ergebnisse, die das Unternehmen nicht in der Weise kontrollieren kann, dass der Ausschluss Dritter von der Verwendung gewährleistet ist. So existiert das gleiche Wissen zumindest auch beim Veräußerer31Vgl. Duenbostel, Die Relevanz eines Paradigmawechsels der Rechnungslegung in Deutschland für die Abbildung von Forschung und Entwicklung im Jahresabschluss, 1998, S. 187 f.. Hier ist es notwendig, dass die Vertragskonditionen und eventuelle Verpflichtungserklärungen dokumentieren, dass die alleinige Verfügungsmacht beim erwerbenden Unternehmen liegt. Zudem ist nicht zwingend, dass sich ein künftiger wirtschaftlicher Nutzen in dem Erwerb und dem gezahlten Preis konkretisiert32So aber Duenbostel (Fn. 31), S. 187.. Ein Nutzennachweis scheint insofern auch hier, z. B. analog zu IAS 38.45 oder mit Hinweis auf einen »Alternative Future Use« im Sinne von SFAS 2.11, erforderlich.Werden noch in der Anmeldephase befindliche Patente entgeltlich erworben, so erfolgt die Überprüfung der Aktivierungskriterien analog der bei erworbenen F&E-Erkenntnissen. Auch bei unternehmensintern entwickelten Patenten ist nachzuweisen, dass ein immaterieller Vermögenswert geschaffen wurde und die Ansatzkriterien erfüllt sind. Dies ist aufgrund des identifizierbaren und einklagbaren Schutzrechtes weitgehend unproblematisch. Es ist jedoch zu überprüfen, ob die Patente einen künftigen wirtschaftlichen Nutzen generieren. Dies ist - wie bereits angesprochen - bei reinenSchutzpatenten nicht zwangsläufig der Fall33Vgl. v. Keitz (Fn. 4), S. 209.. Bei Biotechnologieunternehmen ergibt sich zudem das Problem, dass ein F&E-Prozess in seinen Teilphasen von Anfang an durch Patente abgesichert wird. Da Unternehmen die Forschungsergebnisse möglichst früh vor dem Zugriff Dritter zu schützen versuchen, ist meist ein beachtlicher Teil aller Patente der Forschungsphase zuzurechnen. Da Forschungsausgaben nicht aktiviert werden dürfen (IAS 38.42), kommt - wenn überhaupt - eine Patentaktivierung zu den direkt mit der Anmeldung des Patents verbundene Ausgaben in Frage. Kommt es bezüglich dieser Patente nachfolgend zu erfolgreich geführten Rechtsstreitigkeiten, so lässt sich auch die Aktivierung der in diesem Zusammenhang angefallenen Ausgaben rechtfertigen.Wird ein Verfahren oder Produkt patentiert, welches der Entwicklungsphase entstammt und die Aktivierungskriterien nach IAS 38.45 erfüllt, ist das Patent mit seinen Herstellungskosten zu aktivieren. Diese setzen sich aus Einzel- sowie zurechenbaren Gemeinkosten zusammen (IAS 38.53 ff.). Zu den Ausgaben der Patentanmeldung kommen bereits aktivierte Entwicklungskosten hinzu, welche dem Patent zuzurechnen und dementsprechend umzugliedern sind. Im Vergleich zu US-GAAP werden nicht entgeltlich erworbene Patente nach IAS somit tendenziell höher bewertet.c) Sonstige immaterielle VermögenswerteDie Aktivierung von Werbeausgaben und selbsterstellten Marken ist gemäß IAS 38.57 bzw. 38.51 ausdrücklich verboten. Zwischen IAS und US-GAAP bestehen in diesem Punkt keine großen Unterschiede. Die konservative Bewertung nach US-GAAP kommt de facto einem Aktivierungsverbot nahe. Hier wie dort werden somit Anstrengungen vieler Biotechnologieunternehmen, eigene Marken aufzubauen und zu etablieren, als Aufwand der jeweiligen Periode verbucht. Nur bei Erwerb einer Marke fließt der Marktwert derselben in den Jahresabschluss ein, wird aktiviert und über die voraussichtliche Nutzungsdauer abgeschrieben34Vgl. dazu auch Stolowy/Haller/Klockhaus, Accounting for Brands in IAS 38 of IASC (Intangible Assets) Compared with French and German Practices, Working Paper, HEC School of Management & Treuhandseminar der Universität zu Köln, Aug. 1999.. Die bilanzielle Asymmetrie zwischen entgeltlich erworbenen und selbst geschaffenen immateriellen Werten wird dabei erneut deutlich.Analog zu US-GAAP lastet auf der bilanziellen Erfassung des Mitarbeiter-Know-how das Problem der fehlenden Kontrolle. Nach IAS können aber zumindest die Gehälter der Labormitarbeiter einschließlich Nebenkosten aktiviert werden, sofern sie einem aktivierungspflichtigen Entwicklungsprojekt zugerechnet werden. Sie stellen damit einen Bestandteil der Herstellungskosten dar (IAS 38.53 ff.). Bei der bilanziellen Behandlung von Ausgaben für lizensierte Produkte und Verfahren ergeben sich keine Unterschiede zu der Behandlung nach US-GAAP.III. Praktische Relevanz1. UntersuchungsgrundlageUm einen Einblick in die konkrete Bilanzierungspraxis zu erlangen, sind die Jahres- bzw. Konzernabschlüsse der am Neuen Markt notierten Biotechnologieunternehmen für das Jahr 1999 hinsichtlich der Bilanzierung immaterieller Werte ausgewertet worden. Die Abschlüsse wurden dem Geschäftsbericht des betreffenden Jahres oder - wenn nicht vorhanden - dem entsprechenden Verkaufsprospekt entnommen. Die Unternehmensauswahl orientierte sich dabei an der Zusammensetzung des NEMAX Biotechnology-Branchenindex zum 15. 9. 2000 und umfasst 17 Unternehmen.Es galt die Fragen zu beantworten, ob und in welchem Ausmaß immaterielle Werte aktiviert worden sind, um welche Wertkategorien es sich dabei handelt und welcher (Folge-)Bewertung sie unterliegen. Hierbei richtete sich das zentrale Interesse auf die selbst geschaffenen immateriellen Werte und auf die Frage, ob und inwieweit die betrachteten Unternehmen die z. T. sehr restriktiven Ansatzvoraussetzungen als erfüllt angesehen haben. In diesem Zusammenhang wurden neben den Rechenwerken auch Anhangangaben ausgewertet. Eine weitergehende Untersuchung der außerhalb des Jahres- bzw. Konzernabschlusses angesiedelten Informationen war indes problematisch, da die Vergleichbarkeit von Geschäftsberichten und Verkaufsprospekten nicht gegeben ist. Gleichermaßen problematisch war die Untersuchung der Lageberichte. Bei einigen Unternehmen fehlt der Lagebericht - eine gesetzliche Aufstellungsverpflichtung lag wohl (noch) nicht vor -, andere veröffentlichen die umfangreiche Management's Discussion and Analysis of Financial Condition and Results of Operations (MD&A), andere wiederum einen eher HGB-orientierten Lagebericht35Eine HGB verleichbare Lageberichtsregulierung existiert nach IAS und US-GAAP nicht, vgl. dazu Küting/Hütten, WPg 1999, 12 ff..2. UntersuchungsergebnisObwohl das Regelwerk des Neuen Marktes neben der grundsätzlichen Verpflichtung zur Erstellung von IAS- oder US-GAAP-Konzernabschlüssen die Möglichkeit vorsieht, für eine Übergangszeit noch nach deutschem Handelsrecht zu bilanzieren36Vgl. Deutsche Börse AG, (Fn. 9), Abschn. 2, Art. 4.1.9 (3) u. 7.2.2 (1)., macht keines der untersuchten Unternehmen von dieser Ausnahmeregel Gebrauch. Es liegen ausschließlich IAS- und US-GAAP-Abschlüsse vor. Da konzernfreie Gesellschaften die Ausnahme darstellen, handelt es sich hierbei i. d. R. um Konzernabschlüsse bzw. Proforma-Konzernabschlüsse37In Proforma-Abschlüssen werden aus Vergleichbarkeitsgründen die Auswirkungen z. B. einer erst kurz zurückliegenden Gründung oder einer großen Akquisition durch bestimmte Fiktionen neutralisiert.. Die hierbei zu beobachtende Dominanz der US-GAAP resultiert schon aus der tätigkeitsbedingt starken US-Orientierung von Biotechnologieunternehmen. Zudem stellen US-GAAP-Konzernabschlüsse (noch) eine zwingende Voraussetzung für ein Börsenlisting in den USA dar. Alle Unternehmen, die dort bereits gelistet sind, wie z. B. Qiagen N.V., oder selbiges planen, werden demnach US-GAAP folgen. Ob sich das deutliche Übergewicht zugunsten von US-GAAP auch in Zukunft halten wird, ist vor dem Hintergrund der bereits erfolgten (Teil-)Anerkennung der IAS durch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO)38Vgl. IOSCO, Press Release v. 17. 5. 2000: IASC Standards. sowie des Vorschlags der EU-Kommission, von börsennotierten Unternehmen in der EU ab 2005 IAS-Konzernabschlüsse zu verlangen39Vgl. Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament, Rechnungslegungsstrategie der EU: Künftiges Vorgehen, Brüssel, 13. 6. 2000; vgl. dazu Pape/Fey, FAZ v. 19. 6. 2000, 30., indes fraglich. Zudem ist nicht auszuschließen, dass die Wahl des Rechnungslegungssystems auf die Wirkung unterschiedlicher AbbildungsregelnTabelle 2: Aktivierung immaterieller Werte bei NEMAX-Biotechnology-UnternehmenUnternehmenAbschluss; RechnungslegungAktivierte immaterielle WerteAktivierte immaterielle Werte (Betrag/% der Bilanzsumme)Bilanzausweisdavon Goodwill (Betrag/% der aktivierten immateriellen Werte)davon Selbstgeschaffene immaterielle Werte (Betrag/% der aktivierten immateriellen Werte/Art)FolgebewertungSonstige AbschlussinformationBB Biotech AG, Schaffhausen, SchweizKapitalerhöhungskosten183 TSFR 100% KapitalerhöhungskostenAbschreibung über zwei JahreHinweis, dass Abschreibungsmodalitäten auch für (im Berichtszeitraum nicht aktivierte) Gründungskosten geltencurasan AG, KleinostheimKonzessionen, gewerbliche Schutzrechte u. ähnliche Rechte u. Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten u. Werten; Firmenwert; geleistete Anzahlungen1003 TDM 26,9% EntwicklungskostenEntgeltlich erworbene immaterielle VG werden über vier bis zehn Jahre linear abgeschrieben; keine Angaben zu den Abschreibungsmodalitäten bei den Entwicklungskosten (Abschreibungsbeginn erst im Folgejahr)Aktivierung von Entwicklungskosten der selbst erstellten Arzneimittelzulassungen gem. IAS 38 zu Einzelkosten zuzügl. direkt zurechenbarer GemeinkostenCyBio AG, JenaImmaterielle Vermögensgegenständek. A. (Hauptbestandteil)k. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Lineare Abschreibung des Goodwill über ein bzw. zehn JahreAusgaben für Werbung und F&E wurden sofort als Aufwand verrechnetEVOTEC BioSystems AG, HamburgKein gesonderter AusweisPatente werden über zehn Jahre linear abgeschriebenAktivierung erworbener Patente und Lizenzen; keine Aktivierung von F&E- u. Software-EntwicklungsausgabenGeneScan Europe AG, Freiburg i.Br.Proforma-KA 1999 US-GAAPImmaterielle Vermögensgegenstände nach Abzug von kumulierten Abschreibungen; Firmenwert nach Abzug von kumulierten Abschreibungenk. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Lineare Abschreibung des Goodwill über sieben Jahre und des erworbenen Firmennamens über acht JahreNeben dem Goodwill werden erworbene Softwarelizenzen und der erworbene Firmenname aktiviert; keine Zuordnung des Unterschiedsbetrages in der Kapitalkonsolidierung auf laufende F&E-Projekte; F&E-Ausgaben wurden sofort als Aufwand verrechnetGirindus AG, BensbergProforma-KA 1999 US-GAAPImmaterielle Wirtschaftsgüter; Firmenwertk.A. (keine oder untergeordnete Rolle)Abschreibung des Goodwill über fünf JahreAnhanginformationen nur zum GoodwillGPC Biotech AG, MartinsriedProforma-KA 1999 US-GAAPFirmenwert, netto; immaterielle Vermögensgegenstände, nettok. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Abschreibung immaterieller Vermögenswerte über vier Jahre; Patente werden über zehn Jahre abgeschriebenAktivierung der im Rahmen einer Unternehmensakquisition erworbenen immateriellen Vermögenswerte, z. B. Patente, Belegschaft, Schlüsseltechnologien; noch nicht abgeschlossene F&E-Projekte wurden (vorerst) mit dem konsolidierten Ergebnisvortrag verrechnet; F&E-Ausgaben wurden sofort dals Aufwand verrechnetLION bioscience AG, HeidelbergSelbsterstellte Software, netto; sonstige Vermögensgegenstände, nettok. A. (keine oder untergeordnete Rolle)? 908 TEUR ? 72,2% SoftwareentwicklungskostenI. d. R. lineare Abschreibung über max. drei bis vier JahreAktivierung von Softwareentwicklungskosten, die nach Erreichen der technologischen Durchführbarkeit angefallen sind; Aktivierung (erworbener) Softwarelizenzen u. einschlägiger Technologie; Ausgaben für F&E wurden sofort als Aufwand verrechnetMacroPore, Inc., San Diego, USAAusgaben für F&E wurden sofort als Aufwand verrechnetMediGene AG, MartinsriedAusgaben für F&E sowie Werbung wurden sofort als Aufwand verrechnetTabelle 2: FortsetzungUnternehmenAbschluss; RechnungslegungAktivierte immaterielle WerteAktivierte immaterielle Werte (Betrag/% der Bilanzsumme)Bilanzausweisdavon Goodwill (Betrag/% der aktivierten immateriellen Werte)davon Selbstgeschaffene immaterielle Werte (Betrag/% der aktivierten immateriellen Werte/Art)FolgebewertungSonstige AbschlussinformationMorphoSys AG, MartinsriedImmaterielle Vermögenswerte, nettoMWG-Biotech AG, EbersbergKonzessionen, gewerbliche Schutzrechte u. ähnliche Rechte u. Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten u. Werten; Geschäfts- o. Firmenwert; geleistete Anzahlungen2703 TDM 24,8% EntwicklungskostenLineare Abschreibung der Entwicklungskosten ab dem Folgejahr über vier Jahre; lineare Abschreibung des Goodwill über fünf bzw. 15 JahreAktivierung von Entwicklungskosten, da die Voraussetzungen von IAS 9 als erfüllt angesehen werdennovember AG, ErlangenKonzessionen, gewerbliche Schutzrechte u. ähnliche Rechte u. Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Wertenk. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Lineare Abschreibung über zehn JahreHauptsächlich Aktivierung erworbener Patentanmeldungen und ähnl. Rechte; Aufgliederung der F&E-Aufwendungen nach Geschäftsbereichen; keine Aktivierung von Entwicklungskosten, weil Voraussetzungen von IAS 38 nicht vollständig erfüllt bzw. die zu aktivierenden Beträge von untergeordneter Bedeutung sindPlasmaSelect AG, TeterowProforma-EA 1998/99 US-GAAPImmaterielle VermögensgegenständeLineare Abschreibung über 12 bzw. 18 JahreAktivierung erworbener immaterieller Werte, die Know-how u. darauf gestützte Patente u. Patentanmeldungen umfassen; Aktivierung von erworbenen EDV-Lizenzen u. BetriebssystemenQiagen N.V., Venlo, NiederlandeImmaterielle Vermögenswerte, nettoPatente u. Lizenzen werden über fünf bis sieben Jahre abgeschrieben; der Goodwill über sieben bzw. zehn JahreAktivierung erworbener Patente, Lizenzen, Technologien, Marketinginformationen, Know-how; bei Akquisitionen werden im Kaufpreis entgoltene F&E-Aktivitäten erfolgswirksam verrechnetRhein Biotech N.V., Maastricht, NiederlandeGoodwill; sonstige immaterielle Vermögenswerte, nettok. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Lineare Abschreibung des Goodwill und sonstiger immaterieller Werte über fünf bis zehn JahreNeben dem Goodwill werden insb. erworbene Lizenzen und Patente aktiviertSanochemia Pharmazeutika AG, Wien, ÖsterreichFirmenwert; sonstige immaterielle Vermögensgegenstände (abzgl. kumulierter Abschreibungen)k. A. (keine oder untergeordnete Rolle)Lineare Abschreibung des Goodwill über fünf bis zehn Jahre; lineare Abschreibung der sonstigen immateriellen Werte über drei bis 15 JahreNeben dem Goodwill werden fast nur erworbene Lizenzen und Markenrechte aktiviert; Entwicklungskosten werden nicht aktiviert, da wegen des bestehenden Erfolgsrisikos bis zur Markteinführung die Vor. des IAS 38 nicht vollständig erfüllt sind; Aufschlüsselung der F&E-Aufwendungenu. a. auch im Bereich der immateriellen Werte zurückzuführen ist40Vgl. d'Arcy/Leuz, DB 2000, 389 f.; diverse (verhaltenswissenschaftliche) Studien, die Rückwirkungen insb. der F&E-Bilanzierung auf das Managerverhalten aufzeigen, benennen Pellens/Fülbier (Fn. 2), S. 57 f..Bei der Bilanzierung immaterieller Werte ergibt sich ein vergleichsweise homogenes Bild. Wie Tabelle 2 auf S. 840 f. zu entnehmen ist, werden immaterielle Vermögenswerte mit zwei Ausnahmen bei allen betrachteten Unternehmen aktiviert und fast immer offen ausgewiesen. Die Bedeutung der aktivierten immateriellen Werte ist allerdings im Verhältnis zum bilanziellen Gesamtvermögen gering. Nur bei drei Unternehmen sind mehr als 20% des bilanzierten Vermögens in immateriellen Werten gebunden; bei vielen Unternehmen wird ein Anteil von fünf Prozent nicht überschritten. Fast völlig ohne Bedeutung sind dabei selbst geschaffene immaterielle Werte. Aus den nicht immer präzisen Anhangangaben geht i. d. R. hervor, dass keine selbst geschaffenen immateriellen Werte aktiviert worden sind oder dass sie im Verhältnis zu den erworbenen keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die nach IAS bilanzierenden curasan AG und MWG Biotech AG sind hier zentrale Ausnahmen. Der hier ohnehin schon vergleichsweise hohe Anteil immaterieller Werte besteht zu etwa einem Viertel aus aktivierten Entwicklungskosten. Die restriktiven Aktivierungsvoraussetzungen des IAS 38.45 werden insofern als erfüllt angesehen41MWG Biotech AG bilanziert noch nach IAS 9; IAS 9.17 unterscheidet sich nicht wesentlich von IAS 38.45.. Unter den nach US-GAAP bilanzierenden Unternehmen weist nur LION bioscience AG selbst erstellte immaterielle Werte aus; (Software-)Entwicklungskosten werden hier aktiviert. Bei allen anderen Unternehmen werden anfallende F&E-Ausgaben sofort als Aufwand verrechnet. Eine weitere Ausnahme stellt die nach IAS bilanzierende BB Biotech AG dar, die sog. »Kapitalerhöhungskosten« aktiviert hat42Im Anhang wird hier darauf hingewiesen, dass grundsätzlich auch Gründungskosten aktiviert und abgeschrieben werden, was angesichts von IAS 38.57(a) verwundert.. Tendenziell lässt sich erkennen, dass selbst geschaffene immaterielle Werte somit eher bei den nach IAS bilanzierenden Unternehmen aktiviert werden.Soweit dem Bilanzausweis und den Anhangangaben entnommen werden kann, weisen die betrachteten Unternehmen unter den gesamten immateriellen Vermögenswerten in erster Linie den (derivativen) Goodwill aus der Kapitalkonsolidierung aus. Es folgen (erworbene) Patente und Lizenzen. In Einzelfällen werden u. a. auch erworbene Technologien, Marketinginformationen und Know-how genannt, die im Zuge von Unternehmensakquisitionen erworben und in der Konzernbilanz aktiviert wurden. Einige Unternehmen orientieren sich trotz der IAS-Rechnungslegung im Bilanzausweis an § 266 Abs. 2 Buchst. A Nr. I HGB und führen insbesondere Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten auf. Software wird bei einigen Unternehmen im Sachanlagevermögen, bei anderen im immateriellen Anlagevermögen verbucht.Aktivierte immaterielle Vermögenswerte werden linear über einen Zeitraum von bis zu 18 Jahren abgeschrieben. I. d. R. liegt hierbei die Abschreibungsdauer des Goodwill über derjenigen der sonstigen immateriellen Werte. Die Abschreibungsmodalitäten für die selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerte sehen - sofern überhaupt explizit genannt - eine i. d. R. lineare Abschreibung von nicht über vier Jahren vor. Die Neubewertungsalternative des IAS 38 spielt in der Bilanzierungspraxis der betrachteten nach IAS bilanzierenden Unternehmen keine Rolle.Die Unternehmen folgen der Aufforderung von US-GAAP und IAS, die jährlichen F&E-Aufwand zu quantifizieren, allerdings nicht immer im Rahmen des Konzernabschlusses. Oft wird der F&E-Aufwand in der Konzern-GuV, meist als größter Einzelposten der betrieblichen Aufwendungen, gesondert aufgeführt. Einige Unternehmen gehen so weit, diese Aufwendungen im Anhang nach Geschäftsbereichen bzw. Kostenbestandteilen zu differenzieren.Für Kapitalgeber wichtige Informationen über künftige Produkte und den Stand der laufenden F&E werden außerhalb des Konzernabschlusses, im Lagebericht und insbesondere im freien Teil des Geschäftsberichts bzw. im übrigen Verkaufsprospekt, gegeben. Alle betrachteten Unternehmen berichten meist sehr ausführlich über den Stand der klinischen Tests und die Entwicklungsstadien der einzelnen Produkte. In Verbindung mit Marktbeschreibungen und -analysen sind erste grobe Schätzungen der möglichen Erfolge künftiger Produkte möglich. In der sonstigen Berichterstattung wird mehr oder minder ausführlich über Patente und Kooperationen berichtet. Auch die Zahl, der Einsatzort und u. U. sogar die Qualifikation der Mitarbeiter sind meist Gegenstand einer allerdings oft sehr allgemeinen Berichterstattung.IV. Konsequenzen für die Unternehmensanalyse1. Unzureichender Einblick in das immaterielle AnlagevermögenObwohl US-GAAP und IAS »kapitalmarktorientierte« und damit ausschließlich der Informationsfunktion dienende Abbildungsregeln zur Verfügung stellen (wollen), vermitteln die entsprechenden Vorschriften eher einen unzureichenden Einblick in das immaterielle Anlagevermögen43Vgl. ähnlich z. B. Deng/Lev/Narin, Financial Analysts' Journal, May/June 1999, 20 ff.. Die Vorschriften zur Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte werden von den Kriterien der Zuverlässigkeit und Nachprüfbarkeit dominiert und in der Bilanzierungspraxis darüber hinaus konservativ ausgelegt. Die Möglichkeiten zur Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Werte werden von den betrachteten Biotechnologieunternehmen nur teilweise wahrgenommen. Erworbene und selbst geschaffene immaterielle Werte werden unterschiedlich behandelt, so dass sich Unternehmen bei Fremdbezug immaterieller Werte bilanziell besser stellen als mit eigenen diesbezüglichen Anstrengungen. De facto existiert somit kein wesentlicher Unterschied zur handelsrechtlichen Bilanzierungspraxis44Vgl. im Ergebnis ähnlich Wehrheim, DStR 2000, 88..Die erst einmal naheliegende Vermutung, dass die betrachteten, überwiegend deutschen Biotechnologieunternehmen noch stark dem Vorsichtsprinzip verhaftet sind, ist dabei nicht zwingend. Meist existieren diese Unternehmen erst einige wenige Jahre, so dass sie keine lange handelsrechtliche Bilanzierungstradition aufweisen. Zudem zeigen andere Untersuchungen z. B. US-amerikanischer Unternehmen, dass selbst geschaffene immateriele Werte auch dort keine wesentliche Bedeutung erlangen45Vgl. z. B. AICPA, Accounting Trends & Techniques, 49. Aufl. 1995, S. 209 ff; IAS-Beispiele nennt z. B. Cairns (Fn. 23), S. 397 ff.. US-GAAP- und IAS-Abschlüsse bringen die Unternehmensanalyse in puncto immaterielle Werte also kaum weiter. Die wenigen Unternehmen,die bestimmte selbst geschaffene immaterielle Werte aktivieren, müssen gar befürchten, dass ihre Abweichung vom Branchenverhalten als Ergebnisbeschönigung negativ interpretiert wird46Vgl. ähnlich Littkemann (Fn. 8), 1976; im Regelwerk der IAS besitzen Industriepraktiken allerdings eine geringere Bedeutung als im US-GAAP-System.. Mehr Informationen erwachsen lediglich aus bestimmten Angabepflichten, in erster Linie aus der Angabe der F&E-Aufwendungen, die bei forschungsintensiven Biotechnologieunternehmen ein hohes Maß an Kapitalmarktrelevanz besitzen47Vgl. Chan/Martin/Kensinger, Journal of Financial Economics 1990, 255 ff.. Lev/Sougiannis haben zudem zeigen können, dass im Fall von Chemie- und Pharmaunternehmen aus jedem Dollar F&E-Ausgaben über einen Zeitraum von neun Jahren fast drei Dollar an operativem Ergebnis resultierten48Vgl. Lev/Sougiannis, Journal of Accounting and Economics 1996, 120 ff.; weitere Studien benennen z. B. Ettlie, Management Science 1998, 1 ff.; Stimpert/Duhaime, Academy of Management Journal 1997, 560 ff.. Schon aus diesem Grunde ist die Begründung für die sofortige Aufwandsverrechnung in SFAS 2.41 nicht haltbar, wonach eine Beziehung zwischen den Ausgaben für F&E und nachfolgenden Einkünften nicht herstellbar sei49Vgl. ähnlich kritisch zu SFAS 2 z. B. Bierman/Dukes, Journal of Accountancy (Apr.) 1975, 48 ff..2. Ansätze zur Erfassung immaterieller Vermögenswertea) Erweiterte bilanzielle ErfassungDie Forderung nach verstärkter Rechnungslegungstransparenz im Bereich der immateriellen Werte steht somit noch im Raume. Das Informationsdefizit der Rechnungslegung motiviert gerade bei Biotechnologieunternehmen und sonstigen Unternehmen der »New Economy« zum Einsatz alternativer Informationsinstrumente, mit deren Hilfe insbesondere das immaterielle Vermögen bewertet werden soll50Vgl. u. a. Behr/Kind, Der Schweizer Treuhänder 1999, 63 ff.; Boulton/Libert/Samek, Cracking the Value Code, 2000, S. 213 ff.; Conrads, Human Resource Accounting, 1976, S. 155 ff.; Hartmann, Technologie-Bilanzierung, 1997; zum Realoptionsansatz für die »New Economy« vgl. Hommel,WM 2000, 1535 f.; Kellogg/Charnes, Financial Analysts' Journal, May/June 2000, S. 76 ff.; Schäfer/Schässburger, Finanzbetrieb 2000, 586 ff.. Dabei bieten sich innerhalb der Rechnungslegung durchaus Möglichkeiten, immaterielle Werte stärker zu berücksichtigen. Die IAS 38 innewohnende Möglichkeit zur Aktivierung bestimmter Entwicklungsausgaben ist hier ein erster Schritt. Allerdings müsste es dem IASC bzw. dem Standing Interpretations Committee (SIC) noch gelingen, die entsprechenden Ansatzkriterien weiter zu konkretisieren, um einer (zu) engen Auslegung entgegenzuwirken. Im Rahmen einer traditionellen, pagatorisch abgesicherten Bilanzierungskonvention kann das Ziel nur die verbesserte Periodenabgrenzung aller Ausgaben für periodenübergreifend wirkende Projekte sein. Es ist z. B. gezeigt worden, dass die Aktivierung und planmäßige Abschreibung sämtlicher F&E-Ausgaben, ergänzt um die sofortige Gesamtabschreibung bei drohender Erfolglosigkeit des Projektes (Successful Efforts Method), am ehesten geeignet scheint, dem Bilanzleser entscheidungsrelevante Informationen an die Hand zu geben51Vgl. Healy/Myers/Howe, R&D Accounting and the Tradeoff between Relevance and Objectivity, Working Paper, Harvard Business School, Jan. 1999; vgl. dazu bereits Wurl,ZfB 1974, 173 ff. m. w. N.; hierzulande wurde auch eine verstärkte Aktivierung immaterieller Werte insb. als Bilanzierungshilfe diskutiert, was durch 78/660/EWG, Art. 37, gedeckt wäre; vgl. dazu u. a. Kählert (Fn. 4), S. 149 ff. m. w. N.; Veit, DB 1992, 641 ff.. Obwohl die Diskrepanz zwischen bilanziellem Eigenkapital und Börsenkapitalisierung in ihrer Gesamtheit nicht zu überbrücken ist, da der grundsätzliche Unterschied zwischen Einzel- und Gesamtbewertung auch bei Aktivierung aller im Zusammenhang mit der Schaffung immaterieller Werte stehender Ausgaben bestehen bleibt, dürfte schon ein Schritt der Rechnungslegungsgröße in Richtung des Marktwertes im Sinne der Informationsfunktion sein.b) Zusätzliche InformationenEs scheint unproblematisch aber hilfreich, Informationen zu immateriellen Werten (auch) außerhalb der Rechenwerke, im Anhang oder gar außerhalb des Abschlusses anzusiedeln. Die bisherige Berichterstattung im Anhang, Lagebericht und im freien Teil des Geschäftsberichts müsste jedoch differenzierter und, wegen der unternehmensübergreifenden Vergleichbarkeit, auch standardisierter erfolgen. In diese Richtung zielen Vorschläge, eine eigene »Immaterielle Wertrechnung« zu etablieren, innerhalb deren ein Unternehmen standardisiert über Art und Umfang seines immateriellen Vermögens berichtet52Vgl. z. B. die Vorschläge bei Batchelor, Accountancy International, Febr. 1999, 81; Haller (Fn. 4), S. 583 ff.; Littkemann (Fn. 8), 1978 f.; Maul/Menninger (Fn. 7), 529 ff.; Mintz, CFO, Febr. 1999, 29 ff.; Myers (Fn. 7), 49 ff.; Pellens/Fülbier (Fn. 2), S. 66 ff.. Dieses eigene Rechenwerk könnte auf die Spezifika der jeweiligen Branche zugeschnitten sein und somit auch den Besonderheiten der Biotechnologie-Branche Rechnung tragen. Es wird auch vorgeschlagen, bestimmte Kennzahlen zu immateriellen Werten zu veröffentlichen53Vgl. z. B. Sveiby, Wissenskapital - das unentdeckte Vermögen, 1998, S. 223 ff.. Sonstige, wenn möglich standardisierte Informationen insbesondere über Patente, geplante Produkte, Marktvolumen und -wachstum, Marken, Werbung, Kooperationen, Mitarbeiter-Know-how etc. zeigen weitere Lösungswege auf54Vgl. z. B. Kählert (Fn. 4), S. 193 ff.; Pellens/Fülbier (Fn. 2), S. 64 ff.. Die Publizitätsvorschriften der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde, der Securities and Exchange Commission (SEC), wonach börsennotierte Unternehmen regelmäßig z. B. über den Entwicklungsstand angekündigter Produkte oder die Bedeutung von Patenten und Marken zu berichten haben55Vgl. z. B. zur Jahresberichterstattung Form 10-K bzw. 20-F der SEC; dazu Afterman, Handbook of SEC Accounting and Disclosure, 1999-2; B 9, E; Brotte, (Fn. 8), S. 151 ff.; MacLaughlin/Hambleton, in: Carmichael/Lilien/Mellman (Hrsg.), Accountants' Handbook, 9. Aufl. 1999, Vol. 1, S. 3.38 ff.; die Frage, ob diese Art der Publizität verpflichtend vorgegeben werden muss, kann nur im Rahmen regulierungstheoretischer Untersuchungen geklärt werden; vgl. ähnlich z. B. Fülbier, Die Regulierung der Ad-hoc-Publizität, 1998; vgl. z. B. zur freiwilligen Publizität von F&E Entwistle, Managing Disclosure: The Case of Research and Developement in Knowledge-Based Firms, 1997, und Human Capital Nagar, Journal of Accounting Research, Suppl. 1999, 167 ff., zielen ebenso in diese Richtung wie z. B. die börsenrechtliche deutsche Emissionspublizität, die - wenn auch nicht regelmäßig - detaillierte Angaben über die Geschäftstätigkeit des Emittenten, u. a. über neue Erzeugnisse und Tätigkeiten, Standortbedingungen, Abhängigkeit von Patenten, Lizenzen, Verträgen oder neuen Herstellungsverfahren, über wichtige Investitionen sowie Tätigkeiten auf dem Gebiet der F&E verlangt56Vgl. § 5 VerkProspG i. V. m. § 20 BörsZulV.. Letztlich bleibt es aber den Marktteilnehmern überlassen, wie sie diese hauptsächlich qualitativen Informationen bewerten. Vor allem ist fraglich, ob Informationen außerhalb der traditionellen Rechenwerke für die Marktteilnehmer die gleiche Relevanz besitzen wie Informationen darin57Vgl. dazu z. B. Davis-Friday et al., The Accounting Review 1999, 403 ff.; Gassen, Internetbasierte deutsche Jahresabschlusspublizität, Arbeitsbericht, Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung im experimentellen Test, Ruhr-Universität Bochum, Okt. 2000.. Um den Bezug zu diesen Rechenwerken und der Abschlussprüfung nicht zu verlieren, bieten sich zu immateriel-len Werten wohl primär erweiterte Anhang- und Lageberichtangaben an.V. ZusammenfassungDie bisherige handelsrechtliche Bilanzierung ist kaum in der Lage, den Kapitalmarktteilnehmern entscheidungsrelevante Informationen über junge, technologie- und forschungsintensive Unternehmen zu geben. Der hohe Anteil immaterieller Werte schlägt sich hier bilanziell kaum nieder. Durch die am Neuen Markt in Frankfurt vorgeschriebene Rechnungslegung nach US-GAAP oder IAS wird diese Problematik nicht wesentlich abgemildert. Die Bilanzierungsvorschriften sind auch nach US-GAAP und IAS eher von den Kriterien der Zuverlässigkeit und Nachprüfbarkeit geprägt. Zudem zeigt die Bilanzierungspraxis der Biotechnologieunternehmen am Neuen Markt, dass die ohnehin restriktiven Regeln noch konservativ ausgelegt werden. Wenn die »kapitalmarkt- und informationsorientierte« Rechnungslegung ihrem Anspruch aber auch bei Unternehmen der »New Economy« gerecht werden will, sind neue Anstrengungen notwendig, immaterielle Werte stärker innerhalb und außerhalb der Rechenwerke zu erfassen. Nur so lassen sich die entscheidungsrelevanten Daten generieren, die Kapitalmarktteilnehmer für (Des-) Investitionsentscheidungen benötigen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass das benötigte Kapital im Sinne der Allokationsfunktion auch den innovativsten und zukunftsträchtigsten Unternehmen zufließt.

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