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RIW 1995, 25
Baetke, Anastasia 
Baetke, Anastasia
Die Einführung der Einmann-GmbH in das griechische Recht

RIW 1995, 25 (Heft 1)
A. EinleitungIm Rahmen des Aktionsprogramms der Europäischen Gemeinschaft zur Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen hat der Ministerrat am 21. 12. 1989 die Zwölfte Richtlinie auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts betreffend Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit einem einzigen Gesellschafter verabschiedet1ABlEG Nr. L 395/40 vom 30. 12. 1989.. Die lediglich neun Artikel umfassende Richtlinie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, die Gesellschaftsform der Einpersonen-GmbH in ihrem nationalen Recht anzuerkennen, und zwar sowohl deren Gründung als auch deren Entstehung durch nachträgliche Vereinigung aller Geschäftsanteile in einer Hand. Die Frist für die Umsetzung der Richtlinie ist am 1. 1. 1992 abgelaufen (vgl. Art. 8 Abs. 1 der Richtlinie).In Griechenland ist die Anpassung an die 12. EG-Richtlinie kürzlich durch das Präsidialdekret Nr. 279/932Regierungsanzeiger (FEK), Heft A, Blatt 122 vom 27. 7. 1993. vollzogen worden3In Deutschland wurde das Gesetz zur Durchführung der 12. EG-Richtlinie schon am 24. 12. 1991 verabschiedet. Dazu siehe die Mitteilungen in DB 1991, 129 f. und 1059; vgl. außerdem Schwartz, Das Gesetz zur Durchführung der Zwölften gesellschaftsrechtlichen EG-Richtlinie - Neuerungen für die Einpersonen-GmbH, DStR 1992, 221 ff.. Mit dem Präsidialdekret wurde das griechische GmbH-Gesetz aus dem Jahre 19554Für einen kurzen, aber ausreichenden Überblick über das GmbH-Recht in Griechenland in deutscher Sprache siehe Soufleros, Die GmbH im griechischen Recht, GmbHR 1992, 276 ff.; ders., Die GmbH in Griechenland, Die GmbH-Rechte in den EG-Staaten, 1993, S. 99 ff.; in englischer Sprache vgl. Kozyris/Kerameus, Introduction to Greek Law, 1988, S. 227. durch einen neuen Artikel 43 a5Für eine Übersetzung des neuen Artikels in deutscher Sprache siehe Soufleros, Die GmbH in Griechenland (Fn. 4), S. 108 f. ergänzt, in dem nunmehr zusammenfassend das Recht der »Einpersonen-Gesellschaft mit beschränkter Haftung« (»Monoprossopi etairia periorismenis euthinis«) geregelt wird.B. Die Einmann-GmbH im griechischen RechtI. Bisherige RechtslageBis zu der Gesetzesänderung zählte das griechische Recht zu der Gruppe von Rechtsordnungen, die - anders als das deutsche Recht - die Gründung einer Einmann-GmbH nicht zuließ6Dazu gehörten außerdem Spanien, Italien, Irland und das Vereinigte Königreich. Ausführlicher siehe Eyles, Das Niederlassungsrecht der Kapitalgesellschaften in der Europäischen Gemeinschaft, 1990, S. 196 ff.. Dies bedeutet jedoch nicht, daß die Rechtsform der Einmann-GmbH in Griechenland gänzlich unbekannt war7Siehe etwa dazu in griechischer Sprache Skalidis, Gesellschaftsrecht, 1990, § 72 f.; Michalopoulos, Das Einpersonen-Unternehmen mit beschränkter Haftung, EEmpD 1987, 343 ff.; Pamboukis, Studie über das Gesellschaftsrecht, 1976, S. 109 ff.; ders., Einpersonen-Gesellschaft, EEmpD 1966, 185 ff.; Georgakopoulos, Gesellschaftsrecht Band I, 1985, S. 179.. So war zwar die Gründung einer Einpersonen-GmbH nicht zulässig, doch war es auch schon nach früherem Recht möglich, daß sich nachträglich sämtliche Gesellschaftsanteile einer GmbH in der Hand eines Gesellschafters vereinigten. Diese Situation führte indes nicht automatisch zur Auflösung der Gesellschaft. Vielmehr bedurfte es hierzu eines gerichtlichen Urteils, das von jedem interessierten Dritten beantragt werden konnte (Art. 44 § 1 e GmbHG a. F.)8Interessanterweise ist der gleiche Fall im griechischen Aktiengesetz (Gesetz Nr. 2910 aus dem Jahre 1920) anders geregelt. Art. 47 a § 2 AktG sieht hier eine günstigere Lösung vor. Nach dieser Norm bildet die Versammlung aller Aktien in der Hand einer Person nämlich keinen Grund für die Auflösung der Gesellschaft.. Solange ein solcher Antrag auf Auflösung der Gesellschaft nicht gestellt worden war, konnte die Gesellschaft als Einmann-GmbH weiter produktiv fortgeführt werden. Das griechische Recht tolerierte somit bis zueinem gewissen Grade die nachträgliche Entstehung einer Einmann-GmbH durch Vereinigung aller Geschäftsanteile in den Händen einer Person.Ebenso wie in Deutschland vor der GmbH-Reform des Jahres 1980, bediente sich auch die Praxis in Griechenland nicht selten der Strohmanntechnik9Vgl. allgemein zur Strohmanngründung G. Hueck, Gesellschaftsrecht, 19. Aufl. 1991, § 35 IV., um das Verbot zur Gründung einer Einmann-GmbH zu umgehen. Dabei nahmen ein oder mehrere Gesellschafter an der Gründung nur als Treuhänder für einen künftigen Alleingesellschafter teil mit dem Ziel, diesem den Geschäftsanteil zu übertragen.Freilich blieb die nachträgliche Entstehung einer Einmann-GmbH nicht ganz ohne negative Folgen für den Alleingesellschafter. So war im Gesetz für diesen Fall vorgesehen, daß für die von der Gesellschaft eingegangenen Verbindlichkeiten während der Zeit, in der sämtliche Anteile in der Hand einer Person versammelt waren, diese Person unbegrenzt haftete, wenn die Gesellschaft zahlungsunfähig wurde (Art. 44 § 2 GmbHG a. F.). Zwar war unbestritten, daß die Haftung des Alleingesellschafters nur subsidiären Charakter hatte10Vgl. in griechischer Sprache Lebantis, Gesellschaftsrecht, Band V, 1990, S. 2099; N. Rokas, Gesellschaftsrecht, 1992, S. 270; Michalopoulos (Fn. 7), S. 369.. Doch bewirkte diese Regelung im Ergebnis, daß die nachträglich entstandene Einmann-GmbH aus haftungsrechtlicher Sicht einer OHG sehr nahekam11Die Bestimmung des Art. 44 § 2 GmbHG ist von der Rechtsprechung analog auf die Haftung des Alleingesellschafters einer Einmann-AG angewendet worden. In diesem Fall wurde der Alleinaktionär persönlich und unbegrenzt für die Schulden der AG in Anspruch genommen; siehe OLG Athen, 12088/1990, EEmpD 1992, 67 ff. Das Urteil ist heftig kritisiert worden, unter anderem auch deshalb, weil es nach dem Verabschieden der 12. EG-Richtlinie vom 30. 12. 1989 mit dem Art. 44 § 2 GmbHG eine Bestimmung analog angewendet hat, die nicht dem Gemeinschaftsrecht entsprach; siehe ausführlicher die Anmerkung von Tzouganatos, EEmpD 1992, 70 ff..Die geschilderten Vorschriften der Art. 44 § 1 e und § 2 führten dazu, daß die Rechtsform der Einmann-GmbH in Griechenland für Unternehmen wenig attraktiv war. Das Präsidialdekret Nr. 279/93 hat diese Bestimmungen abgeschafft.II. Das neue Recht nach Art. 43 a GmbHGAnders als im deutschen GmbH-Gesetz, wo die Bestimmungen über die Einmann-GmbH über den gesamten Gesetzestext verstreut sind, hat der griechische Gesetzgeber die einschlägigen Regeln in einem einzigen Artikel zusammengefaßt. Dieser neue Artikel 43 a GmbHG besteht aus insgesamt sechs Paragraphen. Der wesentliche Inhalt dieser Vorschrift soll im folgenden näher dargestellt werden.1. Die Gründung der Einmann-GmbHa) In Art. 43 a § 1 ist nunmehr ausdrücklich vorgesehen, daß die GmbH durch eine Person gegründet werden kann oder nachträglich zur Einmann-Gesellschaft wird. Das Gesetz entspricht damit der Vorgabe aus Art. 2 a der 12. EG-Richtlinie. Mithin setzt der Abschluß des Gesellschaftsvertrags nicht mehr, wie noch nach altem Recht12Dazu siehe Soufleros, GmbHR 1992, 276., die Beteiligung von mindestens zwei natürlichen oder juristischen Personen voraus. Der Gesellschaftsvertrag, der in diesem Fall durch eine einseitige Willenserklärung zustande kommt, bedarf jedoch weiterhin der notariellen Beurkundung (Art. 6 § 1 GmbHG). Außerdem gelten die Anforderungen an den Mindestinhalt des Gesellschaftsvertrags gemäß Art. 6 § 2 GmbHG auch für die Einmann-GmbH.Der Gesellschaftsvertrag muß demnach, bezogen auf die Einmann-GmbH, folgende Angaben enthalten: Vor- und Nachname des Alleingesellschafters, seinen Beruf, Wohnsitz und Staatsangehörigkeit. Die Firma kann Sach- oder Personenfirma sein. In dem Fall der Einmann-GmbH sieht Art. 43 a § 1 GmbHG vor, daß sie den Zusatz »Einmann-Gesellschaft mit beschränkter Haftung« enthalten muß. Der Sitz der Gesellschaft muß in einer Stadt oder in einer Gemeinde Griechenlands liegen (Art. 6 § 2 c GmbHG).Die Einmann-GmbH kann jeden beliebigen Zweck verfolgen, vorausgesetzt, daß es sich nicht um unternehmerische Tätigkeiten handelt, für die das Gesetz zwingend eine andere Gesellschaftsform verlangt. So dürfen etwa Banken oder Versicherungen nur in Form einer Aktiengesellschaft geführt werden.Der Mindestbetrag des Stammkapitals bei der GmbH beträgt, seit einer Änderung des Gesetzes im Jahre 1992, 3 Millionen Drachmen (Art. 4 § 1 GmbHG)13Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes 2065/92 betrug das Mindestkapital nur 200 000 Drachmen.. Für die Einpersonen-GmbH gelten hier keine Besonderheiten.Zum Mindestinhalt des Gesellschaftsvertrages gehört ferner eine Angabe über die Dauer der Einmann-GmbH. Zusätzliche Regelungen, die nicht zum Mindestinhalt gehören, wie z. B. Auflösung der Gesellschaft aus Gründen, die vom Gesetz nicht vorgesehen sind, kann der Einmann-Gesellschafter ohne weiteres bestimmen. Sie sind nur dann wirksam, wenn sie in die Satzung aufgenommen werden (Art. 6 § 3 GmbHG).b) Bei der Gründung der Einmann-GmbH ist die Einzahlung der Stammeinlagen nötig. Nach dem griechischen GmbH-Recht muß das Stammkapital, auch wenn es höher als der Mindestbetrag ist, beim Abschluß des Gesellschaftsvertrags voll eingezahlt werden (Art. 4 § 1 GmbHG). Zudem muß im Gesellschaftsvertrag bestätigt werden, daß das Stammkapital eingezahlt worden ist (Art. 6 § 2 e GmbHG). Fehlt eine solche Bestätigung, ist die Gründung der Einmann-GmbH fehlerhaft14Vgl. Soufleros, GmbHR 1992, 277..Im deutschen Recht ist die Einzahlung der Stammeinlagen demgegenüber anders geregelt. So kann nach dem deutschen GmbH-Gesetz die Anmeldung einer GmbH beim Handelsregister schon dann erfolgen, wenn nur ein Viertel der Stammeinlage und mindestens 25000 DM eingezahlt sind. Da in diesem Fall das Stammkapital noch nicht voll erbracht ist, sieht das deutsche Recht eine strengere Regelung für den Alleingesellschafter der Einmann-GmbH vor. So muß gemäß § 7 Abs. 2 deutsches GmbH-Gesetz der Einmanngesellschafter für den übrigen Teil der Geldeinlage zusätzlich eine Sicherung bestellen. Damit soll die Aufbringung des Stammkapitals gewährleistet werden, da eine Ausfallhaftung nach § 24 deutsches GmbH-Gesetz im Falle der Einmann-GmbH nicht in Betracht kommt15Siehe Baumbach/Hueck, GmbH-Gesetz, 15. Aufl. 1988, § 7 Rn. 7..Diese Befürchtung, daß das Stammkapital von dem Einmann-GmbH-Gesellschafter nicht eingezahlt wird, besteht nach dem griechischen GmbH-Gesetz nicht. Denn, wie geschildert, muß das Stammkapital schon bei Abschluß des Gesellschaftvertrags voll eingezahlt werden. Der neue Art. 43 a hat an dieser Rechtslage insoweit nichts geändert.c) Die Gründung der Einmann-GmbH bedarf schließlich, um vollendet zu werden, der Publizität. Insoweit ist die Eintragung des Gesellschaftsvertrags in das GmbH-Register (Art. 8 § 1 GmbHG) und die Veröffentlichung im Bulletin der Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (Art. 8 § 2 GmbHG) vorgesehen16Dazu siehe Soufleros, GmbH 1992, 277; Georgakopoulos (Fn. 7), S. 164.. Dabei wird zuerst eine Abschrift des Gesellschaftsvertrags innerhalb eines Monats vom Tage seines Abschlusses vom Sekretär des zuständigen Landgerichts in das GmbH-Register eingetragen. Danach wird eine Mitteilung über die Eintragung im GmbH-Register im Bulletin der Aktiengesellschaften und Gesellschaften mbH veröffentlicht. Diese Publizitätsformalitäten haben konstitutiven Charakter. IhreErfüllung ist somit Voraussetzung für die Entstehung der Einmann-GmbH als juristische Person (Art. 9 § 1 GmbHG).2. Verbot von Einmann-GmbH-KonzernenDie 12. EG-Richtlinie sieht vor, daß, bis zur Koordinierung der einzelstaatlichen Vorschriften über das Konzernrecht, die Gesetze der Mitgliedstaaten besondere Bestimmungen oder Sanktionen vorsehen können, für den Fall, daß eine natürliche Person einziger Gesellschafter von mehreren Gesellschaften ist oder eine Einpersonengesellschaft oder eine andere juristische Person einziger Gesellschafter einer Gesellschaft ist.Mit dem neuen Art. 43 a GmbHG hat der griechische Gesetzgeber von dieser den nationalen Gesetzgebern eingeräumten Möglichkeit Gebrauch gemacht. So ist in Art. 43 a § 2 Satz 1 bestimmt, daß eine natürliche oder juristische Person nicht einziger Gesellschafter mehrerer Gesellschaften mit beschränkter Haftung sein kann. Ferner kann nicht eine GmbH eine Einmann-GmbH als einzigen Gesellschafter haben (Art. 43 a § 2 Satz 2), was bedeutet, daß eine Einmann-GmbH keine andere Einmann-GmbH gründen darf. Werden diese Bestimmungen nicht eingehalten, ist in beiden Fällen als Sanktion die Nichtigkeit des Gründungsvertrags vorgesehen.Die Normierung des Art. 43 a § 2 GmbHG entspricht damit der französischen Regelung17Zum französischen Recht siehe Art. 36-2 n. F. des Gesetzes no. 85-697 vom 11. 7. 1985, und hierzu Sayag, De nouvelles structures pour l'entreprise, La loi no. 85-697 du juillet 1985, JCP 1985 I 3217; Callais-Auloy, Apréciation critique de la loi du 11 juillet 1985 instituant l'EURL, D. 1986, Chron. 249 ff.; Champaud, L'entreprise unipersonelle à responsabilité limitée, Rev. trim. dr. comm. 32 (1979), 579 ff.; Serlooten, L'entreprise unipersonelle à responsabilité limitée, D. 1985, Chron. 187 ff.; Weyand, Zur Einführung der Einmann-GmbH in Frankreich, RIW 1986, 418 ff.; Sonnenberger, Französisches Handels- und Wirtschaftsrecht, 2. Aufl. 1991, Rn. III 189 ff.; Constantinesco, Einführung in das französische Recht, 2. Aufl. 1988, S. 194., nach der es ebenfalls nicht möglich ist, daß ein Kaufmann sein Unternehmen in mehrere Einmanngesellschaften aufgliedert. Daher kann eine Einmann-GmbH in Frankreich (L'entreprise unipersonelle à responsabilité limitée, E.U.R.L.) auch nicht Mitglied einer anderen werden.Eine entsprechende Einschränkung wie im griechischen und französischen Recht existiert im deutschen GmbH-Recht nicht. Dies hat dazu geführt, daß die Einmann-GmbH in Deutschland häufig von der Rechtspraxis als Instrument der Konzernbildung benutzt wird18Zur Entwicklung der Rechtsprechung im Bereich des »qualifizierten« faktischen GmbH-Konzerns siehe insbesondere BGHZ 95, 330 ff. (Autokran-Urteil); BGHZ 115, 187 ff., BB 1991, 2173 ff. (Video-Urteil); BGHZ 122, 123 ff. (TBB-Urteil); siehe auch den Beschluß des Bundesverfassungsgerichts zur Verfassungsmäßigkeit der BGH-Rechtsprechung zur Haftung im qualifizierten faktischen GmbH-Konzern, GmbHR 1993, 578 f. = BB 1993, 2035 f.. Eine ähnliche Entwicklung dürfte in Griechenland indes nicht zu erwarten sein. Die strenge Regelung des Art. 43 a § 2 GmbHG läßt insofern kaum Raum dafür, daß die Rechtsform der Einmann-GmbH von der Wirtschaft für den Aufbau von horizontalen oder vertikalen Einmann-GmbH-Konzernen benutzt werden könnte.3. Gesellschafterversammlung und Beschlußfassung in der Einmann-GmbHa) Nach Art. 43 a § 3 Satz 1 werden die Befugnisse der Gesellschafterversammlung vom Alleingesellschafter ausgeübt. Diese Regelung entspricht Art. 4 der 12. EG-Richtlinie.b) Was die Beschlußfassung anbelangt, so bestimmt Art. 43 a § 3 weiter, daß die von dem einzigen Gesellschafter gefaßten Beschlüsse in eine Niederschrift aufzunehmen sind. Auch nach deutschem GmbH-Recht ist es erforderlich, daß der Alleingesellschafter nach der Beschlußfassung den gefaßten Beschluß in eine Niederschrift aufnimmt und unterschreibt (§ 48 Abs. 3 GmbHG). Das griechische Recht begnügt sich bei Beschlüssen des einzigen Gesellschafters jedoch nicht mit dem reinen Schriftformerfordernis. Vielmehr muß die Niederschrift des Alleingesellschafters zusätzlich am gleichen Tag von einem anwesenden Notar, der am Sitz der Gesellschaft bestellt ist, gegengezeichnet werden.Es scheint, daß diese Bestimmung ihren Ursprung auf dem Gebiet des griechischen Aktienrechts hat. Denn auch im Fall einer Einmann-Aktiengesellschaft19Ausführlicher dazu Tziva, Die Einmann oder »Quasi«-Einmann-Aktiengesellschaft, Armenopoulos 1985, 804 ff. verlangt das Gesetz, daß bei der Gesellschafterversammlung ein Vertreter vom Handelsministerium oder ein Notar, der am Sitz der AG zugelassen ist, anwesend ist und die Beschlüsse des Alleinaktionärs mitunterschreibt (Art. 32 § 2 Aktiengesetz)20Vgl. Douvlis, Der Beitrag des Unternehmensrechts zur Lösung des Problems der Einmanngesellschaft, Festschrift für K. Rokas, 1985, S. 124, 133; Michalopoulos (Fn. 7), S. 370..Die Übertragung dieser aktienrechtlichen Regelung auf die Einmann-GmbH war meines Erachtens nicht nötig. Das Erfordernis der Gegenzeichnung durch einen Notar ist wenig zweckmäßig und erschwert in nicht unerheblicher Weise die Beschlußfassung durch den Alleingesellschafter. Dadurch kann die Funktionsfähigkeit der Einmann-GmbH insgesamt beeinträchtigt werden.Was wäre aber die Folge, wenn der Alleingesellschafter etwa die Gegenzeichnung durch einen Notar versäumt, die Vorschrift des Art. 43 a § 3 GmbHG also nicht eingehalten wird? Das Gesetz läßt die Rechtsfolgen eines Verstoßes offen.Die gleiche Frage ist bereits bei der Einmann-Aktiengesellschaft aufgetaucht und in diesem Zusammenhang von Literatur und Rechtsprechung erörtert worden. Hier ist nach herrschender Meinung anerkannt21Siehe hierzu das Gutachten Nr. 5/1976 des Generalanwalts beim Areopag, Fafoutis, NoB 1976, 572 f.; Douvlis (Fn. 20), S. 133., daß bei Nichteinhaltung der Form der Beschlußfassung bzw. bei Fehlen der Unterschrift des Notars, dies keine Nichtigkeit der Beschlüsse des Alleinaktionärs zur Folge hat. Die gleiche Lösung hat meines Erachtens auch für die Einmann-GmbH zu gelten22In Deutschland ist man ebenfalls der Auffassung, daß das Fehlen der Niederschrift nach § 48 Abs. 3 GmbHG nicht zur Nichtigkeit des Beschlusses des Alleingesellschafters führt; vgl. nur G. Hueck (Fn. 9), § 35 IV 2 b.. Dafür spricht, daß beide Gesetzesregelungen insoweit identisch sind und dem gleichen Zweck dienen, nämlich dem Schutz Dritter. Außerdem spricht für diese Lösung auch das Argument, daß der Einmann-GmbH-Gesellschafter sich nicht im rechten Moment auf die Nichtigkeit berufen kann, um sich von den eigenen, ihm ungünstigen Beschlüssen zu befreien.4. Insichgeschäfte des geschäftsführenden AlleingesellschaftersArt. 43 a § 4 GmbHG beschäftigt sich mit den Verträgen, die zwischen dem Alleingesellschafter und der von ihm vertretenen GmbH abgeschlossen werden. Diese Verträge sind in eine Niederschrift aufzunehmen oder schriftlich abzufassen (so auch Art. 5 Abs. 1 der 12. EG-Richtlinie). Diese Vorschrift findet jedoch keine Anwendung, wenn die vertraglichen Vereinbarungen die unter normalen Bedingungen abgeschlossenen laufenden Geschäfte betreffen.In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob das Verbot von Insichgeschäften nach Art. 235 griech. ZGB, der eine wörtliche Übersetzung von § 181 BGB darstellt, auf die Insichgeschäfte des Einmann-Gesellschafters mit der Gesellschaft Anwendung findet. Art. 43 a GmbHG enthältnämlich keine ausdrückliche Anweisung wie § 35 Abs. 4 deutsches GmbHG, daß Art. 235 ZGB hier zu respektieren ist.Die Frage ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Nach einer älteren Meinung23Liakopoulos, Rechtsgeschäfte des Geschäftsführers einer Einmann-GmbH mit sich selber, EEmpD 1975, 198 ff., die von der Entwicklung der Rechtsprechung in Deutschland vor der GmbH-Novelle von 1980 beinflußt worden ist24Zur deutschen Rechtsprechung siehe zusammenfassend Staudinger/Dilcher, 12. Aufl. 1980, § 181 BGB Rn. 20; Scholz/Schneider, Kommentar zum GmbH-Gesetz, 8. Aufl. 1993, § 35 Rn. 101 ff., findet Art. 235 ZGB für die Einmann-GmbH keine Anwendung. Begründet wird dies damit, daß Art. 235 ZGB aufgrund einer teleologischen Reduktion wegen nichtbestehender Gefahr einer Interessenkollision nicht eingreift.Dieser Auffassung kann nicht zugestimmt werden. Daß die Gefahr einer Interessenkollision existieren kann, zeigen die Fälle, in denen die Rechtsform der juristischen Person von dem Alleingesellschafter-Geschäftsführer rechtswidrig und gegen die guten Sitten für eigene Zwecke mißbraucht wird. Als Gegenmaßnahme greift man in diesen Fällen auch auf das Institut der Durchgriffshaftung zurück, um eine Beeinträchtigung der Interessen der Einmann-GmbH zu vermeiden. Gegen die Meinung für die Nichtanwendbarkeit von Art. 235 ZGB spricht auch der wirksame Schutz der Gläubigerinteressen. Vor diesem Hintergrund sollte der Einmann-Gesellschafter in gleicher Weise in seiner Vertretungsmacht beschränkt sein wie der Geschäftsführer einer Mehrpersonengesellschaft.Findet demnach nach richtiger Ansicht Art. 235 ZGB auf den Einmann-Gesellschafter als Geschäftsführer Anwendung, so kann eine Befreiung vom Verbot des Selbstkontrahierens nur in der Satzung erfolgen. Ein Verstoß gegen Art. 235 ZGB führt zur schwebenden Unwirksamkeit des Geschäfts. Der Einmann-Gesellschafter kann daher nachträglich durch Satzungsänderung das Selbstkontrahieren gestatten und dann das Geschäft mit Ex-tunc-Wirkung genehmigen.5. Ergänzende Anwendung des GmbH-Gesetzes auf die Einmann-GmbHIn § 5 des Art. 43 a wird schließlich klargestellt, daß im übrigen die Vorschriften des GmbH-Gesetzes auch auf die Einmann-GmbH Anwendung finden. Das bedeutet, daß trotz der besonderen Bezeichnung, die Einmann-GmbH eine »normale« GmbH ist.Dies hat verschiedene Konsequenzen. Die Einmann-GmbH ist damit auch eine juristische Person und nicht der Alleingesellschafter, sondern das Vermögen der Gesellschaft haftet allein für die Verbindlichkeiten der Einmann-GmbH. Der Alleingesellschafter ist nicht Kaufmann, als solcher fungiert nur die Einmann-GmbH. Die Identität der Gesellschaft wird nicht verändert, wenn aus einer mehrere Gesellschafter umfassenden GmbH alle bis auf einen ausscheiden oder umgekehrt zu einem Einmann-Gesellschafter weitere hinzutreten.C. SchlußbetrachtungMit dem Präsidialdekret 279/93 vom 27. 7. 1993 ist die Rechtsform der Einmann-GmbH im griechischen Recht erstmalig offiziell anerkannt worden. Diese Gesellschaftsform ist in erster Linie für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet, und zwar vor allem als Instrument der Risikobeschränkung für Alleinunternehmer. Die neue Regelung lehnt sich inhaltlich eng an die 12. EG-Richtlinie des Rates über die Einpersonen-GmbH an. Die mit dem Rechtsinstitut der Einmann-GmbH verbundenen Probleme werden von der neuen Regelung nur zum Teil gelöst. Rechtsfragen wie beispielsweise das Problem des Selbstkontrahierens, die Rechtsnatur der Einmann-Vor-GmbH oder die Durchgriffshaftung bei der Einmann-GmbH sind jetzt aktuell geworden. Mit der Beantwortung dieser Fragen werden sich Literatur und Rechtsprechung in Griechenland in Zukunft verstärkt zu beschäftigen haben.

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